Serie: Hamburg maritim

"Süchtig nach Schiffen"

Der passionierte Schiffsfotograf Thomas Kunadt über die Faszination beim Anblick riesiger Kähne

Über eine Leiter und eine Bodenluke steigen wir ihm aufs Dach. Hier oben über den Dächern des Blankeneser Treppenviertels genießt Thomas Kunadt den Blick auf die Elbe - und auf die großen Pötte, die sie befahren. Der 1967 geborene Musikwissenschaftler hat sich selbst zu einem der besten deutschen Profi-Schiffsfotografen weitergebildet und mehrere Bildbände veröffentlicht. Mittlerweile gibt es kaum mehr ein Schiff, von dem er nicht die Daten kennt. Und er ist immer auf dem Sprung, um sie mit der Kamera einzufangen: Kurz müssen wir das Interview unterbrechen, weil ein kleines Tankschiff vorbeizieht, von dem er noch kein Foto im Archiv hat. So geht es schnell, schnell durch die Luke und im Laufschritt runter vom Dach, über die Straße, hoch auf eine Treppe zu einem kleinen Aussichtspunkt: Palmöl aus Indonesien hat das Schiff geladen, und es fährt in den Köhlbrand Richtung Harburg, weiß Kunadt nach einem schnellen Blick. Ein paar Klicks später hat er sein Motiv im Kasten.

Abendblatt:

Warum fasziniert so viele Menschen der Anblick von Schiffen?

Thomas Kunadt:

Ein Schiff ist ein Ereignis. Sein Anblick befriedigt Bedürfnisse der Neugier, der großen Sehnsucht nach der unbekannten Ferne. Dazu kommen die riesigen Dimensionen: Es gibt keine beweglichen Objekte, die größer sind als Schiffe.

Welches sind Ihre Lieblingsschiffe?

Vor allem gefallen mir die exotischen Massengutfrachter, die selten nach Hamburg kommen - oder die großen Yachten mit ihren eleganten Linien. Faszinierend sind natürlich auch die neuen, ganz großen Containerschiffe.

Was sind die besten Plätze in Hamburg zum Schiffegucken?

Das Bubendey-Ufer auf Waltershof ist spannend, dort kommen die einlaufenden Schiffe sehr nah vorbei. Hier in Blankenese ist natürlich auch eine ideale Position, wenn man den weiten Blick bis zu den Inseln und zum Horizont sucht. Einen schönen Blick auf die Schiffe hat man aber auch von der Fähre aus, die nach Finkenwerder fährt. Da ist man dann selbst mitten auf dem Strom und kann die Schiffe aus nächster Nähe studieren.

Gibt es einen gewissen Rhythmus bei den Schiffen auf der Elbe, kann man eine Art Schiffskalender aufstellen?

Zum Teil, aber bei den täglich etwa 30 einlaufenden Schiffe sind jeden Tag etwa zwei dabei, die vorher noch nie in Hamburg waren. Das macht es für Schiffsfotografen hier so spannend. Allgemein kann man sagen: Am Sonntagabend und dann am Montag kommt die erste Woge der Woche. Am Dienstag fahren viele Schiffe schon wieder raus. Und der Mittwoch ist der wohl ruhigste Tag auf der Elbe. Sonnabends ist es gelegentlich auch etwas mau.