Zwischenruf

In vollen Zügen in Fahrt kommen

Eine Glosse von Vanessa Seifert

Neues Abenteuer aus der unendlichen Geschichte "Senk ju for träwelling wis Deutsche Bahn": Der Intercity 2028, gestern von Nürnberg nach Hamburg unterwegs, war so überfüllt, dass in Osnabrück 120 Passagiere den Zug "freiwillig" verlassen mussten.

Zu 200 Prozent sei der Intercity ausgelastet gewesen, so die frohe Botschaft der Bahn. In Klartext übersetzt: An Bord standen doppelt so viele Reisende herum wie Sitzplätze vorhanden waren. Denn der Kartenverkauf pro Zug ist bei der Bahn bekanntlich nicht begrenzt. Das sorgte in diesem Fall bei den Passagieren für dicke Luft, obwohl die Klimaanlage ausnahmsweise mal in Betrieb war.

Schaffner und Bundespolizisten empfahlen den Gästen, von denen die meisten richtig in Fahrt waren, in Osnabrück einen "schnellen Ausstieg". Mit Erfolg - die Weiterfahrt nach Hamburg verzögerte sich nur um 51 Minuten. Die Bahn war offensichtlich von der Ferienzeit überrascht worden, reagierte aber gewohnt zügig: "Wir hatten drei Reisebusse angefordert, um Fahrgäste mit Ziel Bremen über die Autobahn zu befördern." Gut, die wäre wahrscheinlich ähnlich überfüllt gewesen wie der Intercity ...

Die meisten der 120 Aussteiger, die alle übrigens Fahrkarten für den teuren Intercity gelöst hatten, entschieden sich laut Bahn folglich für die Weiterfahrt mit einem Regionalexpress. Ob diese Fahrgäste jetzt mit einer Entschädigung rechnen dürfen? "Sie können auf jeden Fall ein Beschwerdeformular ausfüllen", verspricht die Bahn. Netter Zug.