Kommentar

Mit Atomlaufzeiten Kasse machen

Nach den jüngsten Forderungen der deutschen Atomlobby reibt man sich verwundert die Augen. Offenbar haben die Konzerne die letzten Jahre in einer Art Winterstarre verschlafen oder eine Amnesie erlitten.

Daran, dass EnBW, E.on, RWE und Vattenfall einst einen Atomausstieg mit der Regierung Schröder vereinbart haben, wollen sie sich nicht mehr erinnern. Dass Union und FDP in ihrem Koalitionsvertrag festgeschrieben haben, bei einer Laufzeitverlängerung einen Teil der Sondergewinne abzuschöpfen - ebenfalls irgendwie verpasst. Verlegt haben die Betreiber der Kernreaktoren anscheinend auch den Zettel, auf dem sie ihren Gewinn notiert haben: Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung hat berechnet, dass eine Laufzeitverlängerung von nur acht Jahren den Atomkonzernen Zusatzgewinne von gewaltigen 56 Milliarden Euro bescheren würde. Und die Energiekonzerne? Klagen, man wisse bei all den Belastungen nicht, ob sich der Betrieb noch lohne.

Die Chuzpe, mit der die Atombranche sich als ahnungsloses Opfer der Politik darstellt und zugleich neue Forderungen erhebt, ist bemerkenswert. Mit diesem Täuschungsversuch sollte sie nicht durchkommen.