Zwischenruf

Der virtuelle Kleiderschrank

Eine Glosse von Vera Altrock

Früher sagte man: wie bei Hempels unterm Sofa. Damit brachte man zum Ausdruck, es sei nicht sonderlich schön zu Hause bei der Nachbarin oder der Schulkameradin. Heute, frei interpretiert, müsste das Sprichwort lauten: wie bei Bremern im Kleiderschrank. Warum, das verrät die neue Internetseite yalook.com. Dort kann der Besucher einen modischen Spaziergang durch Deutschland unternehmen und in Echtzeit erleben, was gerade Trend ist - gemessen an den Online-Bestellungen eines Hamburger Versandhauses.

421 Landkreise können auf diese Weise entdeckt werden, und es wäre fatal zu denken, Norddeutsche seien eben einfach Norddeutsche. So sind die Stormarner mit Bikerjacke und hohen Pantoletten sogar etwas mutiger als die Hamburger. Und die Bremer mit ihrem Hang zu Sweatshirts und Jogginghosen kleiden sich, sagen wir mal freundlicherweise, "casual".

Viel interessanter ist da, was man etwa in Düsseldorf trägt, mit welcher Klamotte ich am besten in die angesagte Münchner Disco komme, und was die Hamburgerin hat, was der Berlinerin fehlt? "Stil", könnte man provokativ sagen.

Dabei ist die Hauptstädterin gar nicht so experimentell, wie man gemeinhin annimmt. Ein dunkler Mantel kombiniert mit Leggins und Sneaker haut niemanden mehr vom Hocker. Dagegen die Hanseatin mit ihrer Vorliebe für Jeanskleider und Blumenmuster - sehr feminin, obwohl sie lieber Ballerinas als High Heels trägt.

Auch als Ratgeber für den nächsten Urlaubsort ist die Trendmap goldwert: Denn wer möchte schon ganz in Schwarz auf der Insel Sylt oder am Timmendorfer Strand auftauchen, wenn doch da Signalfarben und Weiß angesagt sind! Das wäre ja in etwa so, als würde eine Gelsenkirchenerin Gelb, also die Farbe des Konkurrenzvereins Borussia Dortmund, tragen! Laut Website soll sie lieber Blue Denim tragen. Das ist auch der Hamburgerin anzuraten, die sich nicht zwischen zwei Erstligisten entscheiden kann: Denn Jeans sind nicht nur sexy, sondern auch so schön neutral.