Missbrauchsfälle bringen Bischöfin Jepsen in Not

Ahrensburger Pastor arbeitete trotz schweren Verdachts weiter mit Jugendlichen

Hamburg. Der Missbrauchsskandal in der evangelischen Kirchengemeinde Ahrensburg bringt jetzt auch die Hamburger Bischöfin Maria Jepsen in Bedrängnis. Sie soll schon im Herbst 1999 von den Vorwürfen gewusst haben. Das berichtet der "Spiegel". In einem am 21. Mai im Abendblatt veröffentlichten Interview hatte Jepsen gesagt, sie habe erst Mitte März durch den Brief eines Opfers davon erfahren.

Besonders brisant: Der Ahrensburger Pastor Dieter K., der in den 70er- und 80er-Jahren mehrere Jugendliche sexuell missbraucht haben soll, hat offenbar auch nach seiner Versetzung bis zu seiner Pensionierung Ende 2000 mit Jugendlichen gearbeitet - ohne dass die Dienststellen über die Vorwürfe informiert worden waren.

Die damalige Pröpstin des Kirchenkreises Stormarn, Heide Emse, sagte, sie habe Jepsen im Herbst 1999 während eines Konvents mündlich über die Anschuldigungen gegen Pastor K. informiert. Sie bezog sich dabei auf ein Gespräch mit einem Opfer. Die Frau hatte der Pröpstin berichtet, dass sie 1979 als 16-Jährige von Pastor K. missbraucht worden sei. Bis 1984 habe es immer wieder Übergriffe gegeben. Er habe in dieser Zeit auch mehrere junge Männer missbraucht. Laut Emse hat die Bischöfin noch einen weiteren Hinweis bekommen. Die Schwester eines Opfers soll der Bischöfin bei einem Kongress in Lübeck von dem sexuellen Missbrauch berichtet haben.

Dem "Spiegel" sagte Jepsen, sie könne sich an die Gespräche nicht erinnern. Gleichwohl hatte die Bischöfin bei Beamten des Personaldezernats 1999 nachgefragt, "ob Pastor K. möglicherweise intime Verhältnisse mit jüngeren Frauen hatte". Den Beamten sei aber darüber nichts bekannt gewesen. "Bischöfin Jepsen schließt aus, dass 1999 von sexuellem Missbrauch die Rede war", sagte Thomas Kärst, Vizesprecher der Nordelbischen Kirche (NEK), dem Abendblatt. "Anderenfalls wäre sie dem nachgegangen."

Dieter K. musste seine Stelle in Ahrensburg Ende 1999 aufgeben. Pröpstin Emse hatte seine Versetzung zu einer Projektstelle nach Neumünster veranlasst. Zuvor hatte K. in einem Sechs-Augen-Gespräch mit der Pröpstin und der Frau, die er 1979 missbraucht hatte, einen Großteil der Vorwürfe eingeräumt. Emse erstattete allerdings weder Strafanzeige, noch informierte sie den Kirchenvorstand im Detail.

K. sollte ein Konzept für die Gefängnisseelsorge in der Justizvollzugsanstalt Neumünster und der Jugendanstalt Schleswig entwickeln. Das wäre ein Schreibtischjob gewesen. Doch Zeugen sagten aus, dass der Pastor in Schleswig regelmäßig Kontakt zu jungen Gefangenen gehabt habe. NEK-Sprecher Kärst sagte: "Er ist dort mindestens sechs Monate als Seelsorger tätig gewesen, vielleicht auch länger. Eine schwere Panne, wenn sich das bestätigt." Zudem blieb K. bis 2003 Religionslehrer an der Stormarnschule in Ahrensburg. Die Kirche sagte eine Aufklärung zu. Es stehe außer Zweifel, dass damals Fehler gemacht worden seien, erklärte Bischof Gerhard Ulrich, Vorsitzender der nordelbischen Kirchenleitung.