Zwischenruf

Sonnabend bitte Fahrradkorso

Eine Glosse von Nico Binde

Liegen Sie auch noch in der schwarz-rot-goldenen Suhle und wälzen sich im Erfolg des DFB-Teams? Oder sind Sie gar Teilnehmer eines Autokorsos gewesen? Dann ist vielleicht jetzt der richtige Zeitpunkt, einen Gedanken an den großen Verlierer dieser Weltmeisterschaft zu verschwenden: die Umwelt.

Skandalös, dass in der künftigen Umwelthauptstadt Hamburg die Autokorsos am längsten sind und die Naturschutzverbände am stillsten halten. In einem weltmeisterlich enthusiasmierten Umfeld hat die Natur einfach keine Lobby. Und weil sich Nabu und BUND beharrlich weigern, Flugzettel mit der Aufschrift "Stoppt den Autokorso-Wahnsinn!" in Umlauf zu bringen, muss der Impuls jetzt von anderer Stelle ausgehen. Also, in aller Deutlichkeit: Retten Sie die Umwelt! Bilden Sie ... ähm ... Fahrradkorsos!

Wie viel sympathischer wäre es, wenn nach dem Viertelfinale statt tiefergelegter Angeberschlurren ein klingelnder, bimmelnder Jubelwurm aus Fahrradfahrern durch die Stadt gondeln würde? Genau: viel sympathischer. Mit der ökologisch vertretbaren Feierkolonne hätten sich auch diverse andere Probleme erledigt: Niemand müsste mehr Komplexe pflegen, er würde eine zu große Fahne aus einem zu kleinen Auto halten. Zu kleine Fahnen an zu großen Autos würden ebenso der Vergangenheit angehören. Die Lärmbelästigung für alle Beteiligten hielte sich ausnahmsweise auf erträglichem Penetranzniveau - Risikogruppen wie Kleinkinder könnten endlich mal durchschlafen.

Los geht es übrigens am Sonnabend am Heiligengeistfeld. Nach dem Elfmeterschießen gegen Argentinien.