Vor der Wahl des neuen Bundespräsidenten

Briefe mit Pulver und Kugeln an Gaucks Wähler

36-Jähriger verschickt mysteriöse Sendungen auch an Hamburger Delegierte. Fünf Briefe wurden am Dienstag in der Hansestadt zugestellt.

Hamburg/Karlsruhe. Einladungen zum Gala-Dinner, Rabatt-Gutscheine für ein Schnellrestaurant, Metallkügelchen und ein äußerst verdächtiges weißes Pulver: Ein offenbar geistig verwirrter Mann aus Karlsruhe (Baden-Württemberg) hat wenige Tage vor der Wahl des neuen Bundespräsidenten bundesweit für Aufregung gesorgt und die Aufmerksamkeit der Sicherheitsbehörden auf sich gezogen.

Der 36-Jährige verschickte Anfang der Woche Briefe mit mysteriösem Inhalt an mindestens 30 sogenannte Wahlmänner in ganz Deutschland - Mitglieder der Bundesversammlung, die für die Wahl des Staatsoberhauptes am Sonntag auserkoren sind. Aussichtsreichster Kandidat für das Amt ist der ehemalige Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Joachim Gauck .

Fünf Briefe wurden am Dienstag auch in der Hansestadt zugestellt. Der Erste Bürgermeister Olaf Scholz (SPD), die Hamburger Bundestagsabgeordneten Burkhardt Müller-Sönksen (FDP), Ingo Egloff und Johannes Kahrs (beide SPD) sowie Katharina Wolff, die für die CDU in der Bürgerschaft sitzt, sollen die Adressaten sein.

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Die Polizei hat mittlerweile Entwarnung gegeben: Das weiße Pulver sei keine gefährliche Substanz, sondern ganz gewöhnlicher Sand. Eine Anschlagsserie wird ausgeschlossen - spätestens auch seit bekannt ist, dass der Absender bereits wegen ähnlicher Sendungen in der Vergangenheit aufgefallen ist. Er habe offenbar psychische Probleme, heißt es offiziell. Den 36-Jährigen als Absender zu ermitteln fiel den Beamten vom Landeskriminalamt Baden-Württemberg nicht schwer: Seinen vollen Namen hatte der möglicherweise verwirrte Mann in seinen Briefen gleich mit angegeben.

Sein Motiv sei völlig unklar, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Karlsruhe gestern Nachmittag. "Das führt alles zu keinem Sinn." Der Fall müsse nun strafrechtlich bewertet werden. Die Staatsanwaltschaft habe bereits Ermittlungen wegen des Anfangsverdachts der "Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten und der Bedrohung" gegen den Urheber der mit den Worten "Wichtige Unterlagen zur 15. Bundesversammlung" beschrifteten Briefe eingeleitet.

Die CDU-Politikerin Katharina Wolff bestätigte gestern, eines der mysteriösen Schreiben erhalten zu haben: "Ich hatte so einen Brief im Postkasten meines Abgeordnetenbüros", sagte die 28-Jährige. "Der Brief war etwas schwerer als normal, deswegen hab ich den vorsichtshalber in der Küche geöffnet." In dem Kuvert entdeckte sie ein Pulver. "Da erschreckt man sich in den ersten Sekunden schon ganz schön." Sie habe den Brief dann schnell in eine Plastikhülle getan und weggeworfen. "Zum Glück ist nichts passiert, aber das ist eine Erfahrung, die ich nicht noch einmal machen möchte."

Die Hamburger Polizei wollte sich gestern nicht zu den Vorfällen äußern, verwies auf die Ermittlungen ihrer Kollegen in Karlsruhe.