Kommentar

Es wird Zeit für mehr Vertrauen

In den zurückliegenden 15 Monaten hat der Deutsche Aktienindex (DAX) um 70 Prozent zugelegt, doch nur sehr wenige Deutsche haben davon profitiert. Denn die Bundesbürger sind kein Volk von Aktionären. Erst in den Zeiten des Börsenbooms um die Jahrtausendwende erwachte das Interesse breiterer Kreise an den Aktien - und ebenso schnell wandte man sich davon wieder ab, nachdem die Kursblase geplatzt war.

Auch in der Zeit danach konnte man bei den Kleinanlegern immer wieder das gleiche Verhaltensmuster beobachten: Es wurde gekauft, wenn die Papiere schon längst zu teuer waren, und wieder verkauft, wenn die Kurse im Keller waren. Vielleicht ist es aber gar kein Wunder, dass viele Deutsche den Aktienmarkt als Quelle schneller Gewinne, als eine Art Lotterieersatz, missverstehen. Eigene Bemühungen um einen langfristig orientierten Vermögensaufbau erschienen nicht dringend, schließlich konnte man sich auf ein stabiles Rentensystem verlassen - bisher jedenfalls.

Zweifellos könnte eine professionelle Beratung helfen, nachhaltig ordentliche Renditen an den Finanzmärkten zu erzielen. Spezielle Angebote der Banken für vermögende Kunden belegen, dass dies möglich ist. Kleinanlegern jedoch verkaufen die Bankangestellten viel zu oft Finanzprodukte, an denen vor allem die Geldhäuser selber verdienen.

Nicht nur wegen der allmählich zu einer Minimumversorgung absinkenden staatlichen Renten wird es Zeit, dass sich dies ändert. Denn man darf vermuten, dass auf längere Sicht beide Seiten, die Kunden wie auch die Banken, von einer neuen Kultur des Vertrauens profitieren könnten.