Kommentar

Sparen allein genügt nicht

Finanzplanungen und Wettervorhersagen haben eines gemeinsam - sie sind recht hilfreich, werden aber oft schnell von der Realität überholt. Bis vor wenigen Wochen konnten die Prognosen zum Haushaltsdefizit nicht finster genug ausfallen, auch um eine Drohkulisse für eine Politik des Streichens und Kürzens zu errichten.

Kaum ist das Sparpaket festgezurrt, beginnt sich die Lage zu entspannen: Statt 80 Milliarden Euro dürfte das deutsche Minus im laufenden Jahr bei 60 bis 63 Milliarden landen, 2012 dürfte das Defizit um 17 Milliarden niedriger ausfallen. Richtig verwunderlich ist das alles nicht: Denn stärker noch als Sparbeschlüsse bewegen Zinssätze sowie Steuereinnahmen und Sozialausgaben die Haushalte. Die letzten Faktoren sind abhängig von der Konjunkturentwicklung. Daher spricht vieles dafür, dass die Europäer ihre zweifellos nötige Konsolidierungspolitik behutsam angehen. Denn wer zu stark streicht, bremst die Konjunktur und kann am Ende gar ein größeres Defizit als vorher haben.

Zugleich spricht vieles dafür, dass die Amerikaner mit ihrer Betonung einer wachstumsorientierten Politik richtigliegen. Und die Europäer beim Sparen im Auge behalten müssen, wie es sich auf das Wachstum auswirkt.