Zwischenruf

Für den undenkbaren Fall

Eine Glosse von Nico Binde

Heute gilt's. Die Nation bangt um den Einzug ins WM-Achtelfinale. Hamburg bangt mit. Gegen Ghana muss ein Sieg her, sonst ... Ja, sonst was eigentlich? Gibt es einen Notfallplan für das fußballverrückte Hamburg, falls Deutschland verliert? Beruhigen Sie sich, es gibt ihn. Glücklicherweise hatten wir hier noch einen rumliegen. Demnach begeben sich bitte alle Besucher des Fanfests unmittelbar nach dem Schlusspfiff schweigend zum Ausgang. Das Fanfest selbst wird noch in der Nacht abgebaut. Lediglich die Leinwand bleibt stehen, weil am Wochenende die Harley Days übertragen werden. Danach ist aber Schluss auf dem Heiligengeistfeld. Stattdessen eröffnet der Winterdom früher.

Hamburger Tankstellen werden angehalten, sich auf ein Ausscheiden der deutschen Elf vorzubereiten. Schwarz-rot-goldene Flaggen, die in WM-bedingter Schicksalsergebenheit gekauft wurden, können nach Vorlage des Kassenbons eingetauscht werden. Ausreichend Trauerflor in den Farben Schwarz und Pechschwarz ist von den Tankstellenpächtern vorzuhalten.

Selbstverständlich wird auch die Hamburger Politik nicht die Augen vor der nationalen Depression verschließen. Geplant ist, die parlamentarische Sommerpause komplett zu streichen, hinfällige Urlaubsgelder fließen direkt ins Haushaltsloch.

Um traumatisierten Fußballfans thematisch schnelle Rehabilitierung anbieten zu können, nehmen die beiden Hamburger Bundesligisten ihr Training sofort wieder auf. Bis zum Saisonstart absolvieren der HSV und St. Pauli Testspiele gegeneinander. Public Viewing auf dem Heiligengeistfeld muss aber ausfallen. Es ist ja Winterdom.

So weit der Hamburger Notfallplan. Bleibt die Frage, was aus der Welt wird, wenn Deutschland erstmals in der Vorrunde aus einem WM-Turnier ausscheidet. Eigentlich ist das ein Fall für die Uno. Aber vermutlich wird die Welt das machen, was sie immer macht, wenn's schwierig wird. Sie dreht sich einfach weiter.

Ignorantes Ding!