Kommentar

Merkwürdige Machtspiele

Der Streit um die Zukunft von Karstadt geht in die nächste Runde. Nun feilschen der potenzielle neue Besitzer Nicolas Berggruen und der Hauptvermieter der Kaufhäuser Highstreet um die künftige Höhe der Mieten. Und der Insolvenzverwalter steht zwischen den Fronten, versucht das mit Berggruen vereinbarte Konzept zu verteidigen, ohne Highstreet gegen sich aufzubringen. Doch wie genau sieht dieses angeblich so zukunftsweisende Konzept eigentlich aus? Standortgarantien soll es beinhalten - aber was noch?

Nicht nur Highstreet steht achselzuckend vor den wortreichen, aber eher inhaltsleeren Ankündigungen des neuen Mr. Karstadt. Auch die Beschäftigten setzen mit Berggruen mehr auf das Prinzip Hoffnung als auf eine Strategie, von der sie überzeugt sind. Der so wenig stromlinienförmige Investor muss endlich klar sagen, welchen Weg er mit dem Traditionskaufhäusern gehen will. Oder gibt es gar kein schlüssiges Konzept? Das allerdings wäre fatal.

Auch das zögerliche Verhalten des Vermieterkonsortiums lässt nichts Gutes ahnen. Will Highstreet die Vereinbarung mit Berggruen bewusst an die Wand fahren, um die eigenen obskuren Übernahmepläne für Karstadt doch noch durchzudrücken? Die zig tausend Beschäftigten in den rund 120 Filialen könnten am Ende dieses undurchsichtigen Machtspiels - wie so oft in der Vergangenheit - die Verlierer sein. Dabei haben gerade sie eine Perspektive verdient. Denn sie sind es gewesen, die mit ihrem Engagement und ihren finanziellen Zugeständnissen maßgeblich dazu beigetragen haben, dass es Karstadt heute überhaupt noch gibt.