Glücksspiel Hamburg

Sportwetten dürfen künftig ohne Karte gespielt werden

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Der Zugang zu diesem Glücksspiel soll wieder erleichtert werden. Nachfrage in vergangenen Jahren dramatisch zurückgegangen.

Hamburg. Die Oddset-Sportwetten dürfen in Hamburg seit September 2007 nur noch mit der Lotto-Ident-Card gespielt werden. Diese Maßnahme steht im Zusammenhang mit dem Glücksspielstaatsvertrag, der seit 1. Januar 2008 gilt. Doch jetzt geht die Lotto Hamburg GmbH neue Wege und bietet die Sportwette wieder ohne eine solche Karte an, auf der die persönlichen Daten der Kunden gespeichert und ein mögliches Spiellimit eingetragen sind: "Wir beweisen mit diesem neuen Angebot, dass Sicherheit und Benutzerfreundlichkeit zusammenpassen, und zwar ohne gegen geltende Gesetze zu verstoßen", sagte Geschäftsführer Siegfried Spies auf Abendblatt-Anfrage. "Hamburg ist das erste Bundesland, das den Kunden diese Erleichterung verschafft."

Die Nachfrage nach den Oddset-Sportwetten, die seit 1999 angeboten werden, ist in den vergangenen Jahren dramatisch zurückgegangen: Im Jahr 2001 lag der Umsatz noch bei 21,3 Millionen Euro, 2007 waren es 5,3 Millionen Euro und im vergangenen Jahr nur noch 3,1 Millionen Euro. "Dass Oddset-Sportwetten seit Anfang 2008 nicht mehr im Internet gespielt werden dürfen und dass eine Lotto-Ident-Card für die Teilnahme notwendig geworden war, hat mit zu den Umsatzeinbrüchen geführt", so Spies. "Aber vor allem ist der kontinuierliche Rückgang der Spieleinsätze seit 2002 auf die starke Zunahme privater Wettanbieter ohne Erlaubnis am Markt zurückzuführen."

Bis Ende Mai dieses Jahres wurden mit Oddset-Sportwetten in den zurzeit 430 Lotto-Annahmestellen in der Hansestadt rund 1,23 Millionen Euro eingenommen. Insgesamt beliefen sich die Einnahmen von Lotto Hamburg im letzten Jahr auf rund 165,3 Millionen Euro, das entspricht einem Minus von 17 Prozent im Vergleich zu 2008.

Unterdessen hat die Glücksspielaufsicht der Innenbehörde dem neuen Verfahren bereits zugestimmt: "Die Schutzanforderungen des Glücksspielstaatsvertrags werden eingehalten", sagt Behördensprecher Ralf Kunz. "Das Verfahren ist aus suchtpräventiven Gründen nicht zu beanstanden. Minderjährige können auch weiterhin nicht spielen." Außerdem würde ein Abgleich mit der Sperrdatei erfolgen, und der Spieler könne ein eventuell eingetragenes Limit nicht überschreiten, so Kunz weiter.

Die "JackPoints" in den Hamburger Lotto-Annahmestellen bekommen eine neue Software aufgespielt. Damit können die Kunden dann auch ohne Lotto-Ident-Card an dem Automaten ihre Oddset-Spielschein interaktiv ausfüllen. Dabei muss der Spieler auch seinen Namen und sein Geburtsdatum angeben. Danach vergleicht dann der "JackPoint" automatisch diese Angaben mit der Spieler-Sperrdatei und kontrolliert, ob für den Kunden bei Lotto Hamburg ein Spielausschluss oder ein Spiellimit besteht.

Für Lotto-Chef Siegfried Spies ist besonders wichtig, dass es diese Sicherheitsauflagen gibt. Er bemängelt in diesem Zusammenhang: "Leider wird die Zahl der illegalen Sportwettenanbieter, die durchgehend auf die Identifikationsprüfung und den Abgleich mit der Sperrdatei verzichten, nicht kleiner." Das neue Angebot richtet sich laut Spies vor allen Dingen an Fußballfans, die nur zu großen Ereignissen wie der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft an der Oddset-Sportwette teilnehmen möchten.

Die Gesundheitsexperten der Hamburger Parteien sind nicht besonders glücklich über das neue Angebot von Lotto Hamburg: "Jede Maßnahme, die die Teilnahme an Sportwetten erleichtert, muss kritisch betrachtet werden. Die Zahl der Spielsüchtigen steigt kontinuierlich an, deshalb können die Sicherheitsauflagen gar nicht streng genug sein", sagt Harald Krüger, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion. Für SPD-Gesundheitsexpertin Anja Domres steht fest: "Sofern die geltenden Sicherheitsauflagen eingehalten werden, ist gegen den erleichterten Zugang nichts einzuwenden." Domres macht allerdings eher Sorge, dass immer mehr nicht staatliche Wettbüros aufmachen, in die Jugendliche freien Zugang hätten und in denen eine Altersprüfung nicht immer gewährleistet sei.

Die Lotto Hamburg GmbH mit Sitz am Überseering in der City Nord hat seit Einführung im Sommer 2007 mehr als 31 000 Lotto-Ident-Karten ausgegeben. Mit diesen Karten erfüllt die Lotto Hamburg GmbH die Auflagen des Glücksspielstaatsvertrags. Denn dieser sieht vor, dass in Deutschland einige Wetten und Lotterien nur nach Kontrolle des Ausweises oder einer vergleichbaren Identitätsüberprüfung und nach einem Abgleich mit der Sperrdatei vertrieben werden dürfen.