Kommentar

Hamburg, gefühlte Theater-Provinz

Geografisch liegt das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg. Gefühlt befindet es sich seit geraumer Zeit irgendwo zwischen Oldenburg und Osnabrück, in der niedersächsischen Provinz. Denn was an Deutschlands größter, schönster und lange Zeit renommiertester Bühne passiert, liegt künstlerisch nicht weit entfernt von dem, was engagierte Intendanten zwischen Kiel und Freiburg präsentieren: anständiges Theaterhandwerk. Nichts, was Zuschauer von den Sitzen reißt - ob aus Begeisterung oder Empörung - keine Inszenierungen, die man gesehen haben muss. Hier wie dort Regisseure wie Jarg Pataki, Dusan David Parizek oder Markus Heinzelmann. Und Markus John wird gleich zwei große Bühnenhelden spielen: König Lear und Götz von Berlichingen.

Bei allem Respekt, aber die Protagonisten dieses Hauses hießen früher Wildgruber, Tukur, Eva Mattes oder Susanne Lothar. Sie waren die besten ihrer Generation, ihres Faches. Um sie haben uns die anderen Theater beneidet. Die Besten spielen jetzt in München, Wien oder Berlin.

Vielleicht wird es mit jedem Jahr schwerer, neben all den Freizeitangeboten spannendes Theater zu erfinden. Aber man sollte ganz oben ansetzen, wenn man es erreichen will.