Gewalt

Massenkeilerei: Prozess nach Kreisliga-Spiel

Es war ein Duell in den Niederungen des deutschen Ligafußballs: Das Veddeler Kreisliga-Team Vatan Gücü musste am 8. Mai 2008 gegen den SC Sternschanze ran. Das Spiel? Nicht der Rede wert - Vatan Gücü gewann mit 1:0. Richtig zur Sache ging es dafür aber nach dem Abpfiff: Drei Spieler von Vatan Gücü sollen unvermittelt und brutal auf vier gegnerische Spieler losgegangen sein. Dabei verwechselten sie offenbar Kicken mit Kick-Boxen.

Murat D. (25), Arif D. (22) und Tahsin Ö. (25) - sie sind die mutmaßlichen Initiatoren der Gewaltorgie. Seit gestern steht das Trio wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht.

"Es war ein einziges Durcheinander", erinnert sich Joshua T., damals Kapitän des SC Sternschanze. Auf dem Platz an der Schanzenstraße müssen sich an jenem Spieltag tumultartige Szenen abgespielt haben: Auch Zuschauer sollen sich an der Massenkeilerei beteiligt haben. Der 31-Jährige musste nach der brutalen Attacke ins UKE. Sogar mit Karate-Tritten soll einer der mutmaßlichen Gewalttäter auf ihn losgegangen sein. Joshua T. erlitt neben etlichen Prellungen auch eine Gehirnerschütterung.

Heftige Schläge musste auch Cornelius O. (47) einstecken. Nach dem Spiel wollte der ehemalige Kapitän seine Amateur-Fußballerkarriere beenden. Doch statt Blumen zum Abschied kassierte der ehemalige Kapitän ein kapitales Veilchen, verlor zudem ein Stück eines Zahns. Dass er zugeschlagen hat, bestreitet Murat D. gar nicht. "Ich habe da eine Faust gegeben", sagt er. Aber so massiv will er dann doch nicht drauflos gedroschen haben. Als er die Fotos des übel zugerichteten Cornelius O. im Gerichtssaal sieht, zieht er seine Schmerzensgeld-Zusage wieder zurück. "Ich habe den nur gestreift."

Wie die Situation so eskalieren konnte, ist unklar: Für Vatan Gücü ging es um nichts, für den vom Abstieg bedrohten SC Sternschanze hingegen um alles. War es Wut über zwei Rote Karten, die aus der Kreisliga-Bolzerei eine Massenkeilerei machte? Bereits während des Spiels sei die Stimmung aufgeheizt gewesen, berichtet der Schiedsrichter, damals 19 Jahre alt. Zwei Spieler von Vatan Gücü habe er nach Tätlichkeiten vom Platz stellen müssen. "Nach dem Abpfiff brach die Hölle los", erinnert sich Joshua T. Drei Spieler seien auf ihn zugerannt. "Sie schlugen mich, ich lag am Boden. Dann gingen die Lichter aus."

Der Deutsche Fußballverband reagierte prompt und verhängte gegen alle Angeklagten Spiel-Sperren zwischen fünf und 18 Monaten. Der Prozess wird am 18. März fortgesetzt.