HSH: Erstes Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden

Nordbank-Chef Nonnenmacher: Ich habe kein schlechtes Gewissen

Manager verteidigt Bonuszahlung und mahnt seine Kritiker: "Bank nicht zerreden."

Hamburg. Der Vorstandsvorsitzende der HSH Nordbank, Dirk Jens Nonnenmacher, hat eindringlich um mehr Solidarität für das Institut geworben. "Ich stelle mir die Frage, welches Interesse einige Personen haben, eine Bank so zu zerreden", sagte der 46-Jährige im Interview mit dem Abendblatt, dem ersten überhaupt mit einer Hamburger Zeitung. Er möge sich nicht ausmalen, welche Folgen ein Scheitern der Sanierung der früheren Landesbank für Norddeutschland hätte. Nonnenmacher: "Platt gesagt kann ein großer Teil der deutschen Schifffahrt einpacken, wenn wir aus dem Markt gehen."

Die HSH ist der größte Schiffsfinanzierer der Welt. 2008 hatte sie 2,8 Milliarden Euro Verlust gemacht und konnte nur durch ein 13-Milliarden-Rettungspaket der Hauptanteilseigner Hamburg und Schleswig-Holstein am Leben gehalten werden.

Zwar seien in der Vergangenheit viele Fehler gemacht worden, aber die Neuausrichtung sei nun auf einem guten Weg. 2011 wolle die HSH wieder Gewinne verzeichnen, sagte der Manager: "Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir das erreichen werden."

Nonnenmacher beklagte, wie lustvoll einige Politiker nach vielen erfolgreichen Jahren der Bank "über Nacht" zu Kritikern geworden seien. "Politik und Medien agieren in kurzlebigen Zyklen", so Nonnenmacher. "Wir brauchen jetzt jedoch einen langfristig orientierten Neuaufbau der Bank." Auch die Anzeigen des Anwalts Gerhard Strate, der der HSH Bilanzfälschung vorwirft, wies der Mathematikprofessor vehement zurück.

Dass er Ende 2008, als die Bank "am Abgrund" stand, den Vorstandsvorsitz übernommen hat, bereue er bis heute nicht, sagte Nonnenmacher. Ein schlechtes Gewissen, dass er 2,9 Millionen Euro Bonus kassierte, während die HSH 1100 Mitarbeiter entlassen musste, habe er nicht: "Hierfür gibt es keinen Grund. Ich bin ein Verfechter davon, Verträge auch einzuhalten." Zwar sei ihm bewusst, dass 90 Prozent der Bürger die Löhne in der Finanzbranche für astronomisch hielten. Bonus sei zum "Reizwort" geworden; dabei werde kaum noch beachtet, dass dafür entsprechende Leistung verlangt werde.