Tagesmütterprojekt: Drei verschiedene Ämter zuständig

Hamburger Bürokratie stoppt Kita

Seit fast zwei Jahren versucht ein privater Kindergarten, ein leer stehendes Gebäude anzumieten. Und scheitert an den Behörden.

Sie sind ganz nah dran. An ihrer Wunsch-Immobilie. Höchstens drei Meter trennen den privaten Kindergarten "Sonne, Mond & Sterne" an der Virchowstraße (Altona-Altstadt) von dem benachbarten, knapp 200 Quadratmeter großen ehemaligen Hort der Grundschule Chemnitzstraße, der seit einem Jahr leer steht. Gern würde der Kindergarten, auf dessen Warteliste allein 30 Kinder stehen, dort als Kita einziehen. Und obwohl alle Beteiligten dieses Vorhaben unterstützen, droht das Projekt im bürokratischen Bermuda-Dreieck zwischen Bezirk, Finanz- und Sozialbehörde unterzugehen. "Wir versuchen schon seit fast zwei Jahren, das Gebäude anzumieten", sagt Erzieherin Sandra Neumann (40), die mit drei weiteren Tagesmüttern 20 Kinder betreut. "Niemand fühlt sich zuständig, wir werden seit Monaten von einer Behörde zur nächsten verwiesen."

Der Hintergrund: Schon im Sommer 2007, als die Erzieherinnen erstmals hörten, dass die Grundschule aus den Räumen ausziehen würde, haben sich die Tagesmütter nach eigenen Angaben umgehend als Mieterinnen ins Gespräch gebracht. Sie wollen ihren Kindergarten offiziell in eine Kita umwandeln. Betreuungsplätze für Kinder zwischen einem und drei Jahren seien gerade im familienstarken Altona, wo nach Angaben des Statistikamts Nord knapp 15 Prozent der Bewohner jünger als 18 Jahre alt sind, gefragt. "Wir brauchen dringend mehr Platz. Und die Lösung liegt gleich vor unserer Nase", sagt Sandra Neumann.

Doch die Erzieherinnen fühlen sich weit entfernt von ihrer Wunsch-Immobilie. "Das Ganze zieht sich hin. Und eine Entscheidung ist nicht in Sicht", sagt Erzieherin Jana Milz (33). Sie und ihre Kolleginnen seien bei Anhörungen im Altonaer Rathaus gewesen, hätten mit der Finanzbehörde Kontakt aufgenommen und mit Sachbearbeiterinnen der Sozialbehörde gesprochen. "Auch Bezirkspolitiker verschiedener Parteien waren schon bei uns und haben ihre Unterstützung zugesagt", sagt Erzieherin Wibke Grziwotz (32). Alles bisher ohne Erfolg. Zuletzt habe man sogar gehört, dass das Gebäude für 205 000 Euro verkauft werden solle. "Das könnten wir uns natürlich gar nicht leisten", sagen die Erzieherinnen.

Doch woran scheitert das Vorhaben der Tagesmütter? Anruf beim Bezirk Altona. "Da es sich um eine ehemalige Schule handelt, ist die Finanzbehörde gefragt. Sie verwaltet die städtischen Liegenschaften", erklärt Sprecher Rainer Doleschall. Anruf bei der Finanzbehörde, wo die Pläne der Erzieherinnen bekannt sind. "Zum Verkauf steht das Gebäude nicht. Das haben wir den Damen am 14. Juli in einem Schreiben mitgeteilt", sagt Sprecher Daniel Stricker. Das Anliegen der Kindergärtnerinnen werde auch keinesfalls ignoriert, doch ob dauerhaft eine Kita in den ehemaligen Hort einziehen dürfe, müsse die Sozialbehörde entscheiden. "Das Amt für Kinderbetreuung muss eingeschaltet werden." Das pädagogische Konzept der Erzieherinnen sei überzeugend, sagt Jasmin Eisenhut, Sprecherin der Sozialbehörde. "Das Vorhaben ist auch durchaus sinnvoll. Zunächst aber muss der Bezirk Altona baurechtlich klären, was aus den anderen Gebäuden auf dem ehemaligen Schulgelände werden soll. Erst dann kann eine Entscheidung fallen."

Ende August sollen laut Eisenhut noch einmal Gespräche mit allen Beteiligten geführt werden. "Vielleicht kommen wir dann endlich zum Ziel", sagt Sandra Neumann.

"Wir als Eltern verstehen das Hin und Her auch nicht mehr", sagt Christina Rückert (40), deren Sohn Simon (5) bei "Sonne, Mond & Sterne" betreut wird, und schüttelt ratlos den Kopf. "Es könnte alles so einfach sein. Statt das Gebäude als Kita zu nutzen, steht es leer und verfällt allmählich."