Kommentar: Kieler Koalitionsbruch

Carstensens steiniger Weg

Ministerpräsident Peter Harry Carstensen hat den Bruch der Großen Koalition in Kiel sorgsam geplant und die SPD mit ihrem Chef Ralf Stegner eiskalt erwischt. Moralisch mag das fragwürdig sein.

Politisch war es geboten. Schleswig-Holstein braucht so schnell wie möglich eine handlungsfähige Regierung. Das Wahlvolk sieht das ähnlich. Es nimmt dem Ministerpräsidenten die Inszenierung des Koalitionsbruchs nicht übel. Im Gegenteil: Als Bösewicht gilt Stegner. Das ist zwar etwas unfair, in der Gesamtschau aber gerechtfertigt.

Carstensen sollte sich aber nicht zu früh freuen. Die knappe bürgerliche Mehrheit in der Umfrage ist keine Garantie für einen Wahlsieg. Auf dem Weg dorthin muss die CDU noch schwierige Hausaufgaben machen, etwa in der Schulpolitik. Ab dem 27. September stehen Carstensen neue Probleme ins Haus. Nötig sind harte Sparmaßnahmen und radikale Reformen - mit einem wahrscheinlichen Juniorpartner FDP. Deren Fraktionschef Wolfgang Kubicki pflegt einen ähnlichen Politikstil wie Stegner.