Rundgang

Blaue Stunde in der HafenCity

Es sind die längsten Abende des Jahres. Wen trifft man auf den Plätzen des neuen Stadtteils? Sophie Laufer (Text) und Bertold Fabricius (Fotos) berichten.

Sie sind gekommen, um in der untergehenden Sonne zu trainieren, um bei den lauen Temperaturen gewagte Sprünge zu üben, die Stufen herunter bis ans Wasser zu sausen und sich dabei anzufeuern. Die Skater Elias, Lukas, Dominic und Marvin lieben die abendliche Stimmung bei den Magellan-Terrassen in der HafenCity. "Die Aussicht ist einfach perfekt", sagt Elias und zeigt, was er aus dem Stand mit seinem Board kann. "Gleichzeitig ist aber auch der Boden schön glatt, und die Treppen sind ideal zum Üben." Um auf diesem Platz am Abend trainieren zu können, nehmen die vier, die auf dem Gymnasium Eppendorf zur Schule gehen, so oft sie können die weite Anreise in Kauf. Platz genug haben sie hier, sodass sie andere Besucher mit ihren Stunts nicht stören.

Besucher wie Ulrich von Bock. Er sitzt einige Stufen weiter auf einem Betonklotz und versucht die untergehende Sonne zwischen den Häuserschluchten auf seinem Zeichenblock zu verewigen. Der große Mann mit dem langen, lockigen Haar ist Leiter der Hamburger Aquarellwerkstatt. An diesem Abend hat er seine Malgruppe in die HafenCity beordert. "Der Platz mit dem wunderschönen Licht, den Häusern und dem Wasser ist so vielseitig", sagt er und geht an den benachbarten Betonklotz, auf dem Kollegin Nicki Fleischmann sitzt. Kein Wunder, denn die hat neben ihren Malutensilien einen Picknickkorb mitgebracht und für alle Mitglieder einen Kuchen gebacken.

Wirklich gut besucht sind die Magellan-Terrassen in der HafenCity auch an warmen Sommerabenden allerdings noch nicht. Umso interessanter und unterschiedlicher sind die Menschen, die die Plätze in der neuen Stadt in der Stadt nutzen. Da gibt es neben von Bock und den Skatern den Musikproduzenten Roland Bogdahn, der mit seinem Mischlingshund Danny die letzten Sonnenstrahlen genießt. Er sitzt auf dem Hügel vor dem Marco-Polo-Tower, die Augen geschlossen. "Ich mache Atemübungen", sagt der junge Mann mit der lilafarbenen Baseballkappe, während Danny die Gegend erkundet. Bogdahn wohnt gleich um die Ecke. "Und noch ist hier auf den Plätzen nicht so richtig Leben, das muss man auskosten."

Nur wenige Schritte weiter ist die Ruhe vorbei. Zwei junge Paare spielen auf dem Sandboden Boule. Die beiden Frauen Gosia Cieslak und Beata Wysocka bejubeln jeden erfolgreichen Wurf. "Diesen Ort haben wir vor sechs Monaten entdeckt", sagt Philippe Gaudin, der den anderen das Spiel beibringen soll. "Wir kommen mit Freunden hierher, sobald das Wetter gut ist." Schon im März hätten sie sich an einem sonnigen Tag hier getroffen. "Denn es gibt selten die Möglichkeit, vor so einer Kulisse zu spielen."