Kernkraftwerke: Erst ein Kurzschluss in Brunsbüttel, dann ein Feuer in Krümmel

13 Uhr: In Hamburg fallen die ersten Ampeln aus

Spannungsschwankungen brachten auch Bahnverkehr zum Stillstand. Nach drei Stunden waren Probleme behoben.

Hunderte Hamburger saßen in den S- und U-Bahnen, auf dem Weg nach Hause oder in die Stadt, als plötzlich, in manchem Fall auf freier Strecke, Stillstand herrschte. Im Hauptbahnhof sorgten Spannungsschwankungen dafür, dass die Lichter ausgingen, auch im Stellwerk. Die Ausfälle der Kernkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel haben auch in der Hansestadt Spuren hinterlassen.

Um 13 Uhr, kurz nach dem Kurzschluss in Brunsbüttel, fielen flächendeckend im Stadtgebiet 380 der insgesamt rund 1700 Ampeln, im Fachjargon "Lichtzeichenanlagen", aus. Vattenfall-Techniker machten sich in Hochgeschwindigkeit daran, die Schäden zu reparieren. Sie brauchten 20 Minuten - nicht ahnend, dass es zwei Stunden später zu einem weitaus größeren Problem kommen sollte: Im Kernkraftwerk Krümmel bricht ein Feuer aus. Als um 15.09 Uhr erste Löschzüge der Feuerwehr am Kraftwerk eintrafen, war das Problem schon auf dem Weg nach Hamburg. Um 15.10 Uhr schwankte durch die zuvor erfolgte automatische Schnellabschaltung erneut die Netzspannung. Wieder fielen Ampeln aus, diesmal fast doppelt so viele, wie zur Mittagszeit. Laut Vattenfall waren 770 Anlagen betroffen. Diesmal blieb das Licht für etwa 18 Minuten aus. An manchen Stellen funktionierten die Ampeln zwar, doch haperte es mit der Koordination. Hatte das Problem mittags flächendeckend alle Stadtteile betroffen, war nun hauptsächlich der Hamburger Osten ohne geregeltes Ampellicht. Laut Verkehrsleitzentrale entstanden aber kaum Verkehrsstörungen. Es mussten auch keine Beamten zur Regelung des Verkehrs eingesetzt werden.

Zur selben Zeit gab es auf dem Hauptbahnhof ebenfalls einen Stromausfall. Laut Vattenfall soll eine Höchstspannung Ursache dafür gewesen sein, dass die sensiblen Geräte streikten. Zwischen 15 und 15.30 Uhr fielen die Stellwerke aus. Laut einem Sprecher der Deutschen Bahn waren Fern- und Nahverkehrszüge sowie S-Bahnen davon betroffen. Es gab einige Anschlussverspätungen. Wie viele Reisende von dem Problem betroffen waren, ließ sich nicht konkret beziffern.

Die Spannungsschwankungen sorgten auch in vielen Hamburger Firmen und Privathaushalten dafür, dass Computer abstürzten. Vattenfall-Sprecher Peter Poppe: "Es handelte sich um Schwankungen im Millisekundenbereich. In einigen Firmen, wie beim NDR, sprang die Notstromversorgung an." Um 16 Uhr seien alle Probleme - zumindest die in Hamburg - wieder behoben gewesen.

Die Gefahr einer dauerhaften Störung im Hamburger Netz gäbe es nicht, auch wenn die Kraftwerke in Krümmel und Brunsbüttel längerfristig abgeschaltet blieben. Vattenfall-Sprecher Ivo Banek: "Über das Europäische Verbundnetz können solche Ereignisse ausgeglichen werden. Das ist zum Glück kein großes Problem."