Haushaltshilfe Jerzy lebt beim Patienten

Vor vier Jahren brach bei Werner Meyer (66, Name geändert) amyotrophe Lateralsklerose (ALS) aus, eine unheilbare Störung des Nervensystems: Sein Verstand ist klar, doch seine Muskeln versagen. Dennoch wohnt der Rentner weiterhin in seinem Einfamilienhaus am Rande Hamburgs. Denn Werner Meyer hat eine polnische Haushaltshilfe. Er heißt Jerzy, kommt aus Breslau. Der polnische Familienvater wohnt bei ihm, betreut ihn rund um die Uhr. "Etwas Besseres hätte mir nicht passieren können", sagt Meyer.

Bereut hat Meyer seinen Entschluss, im Juli bei der GKT Serwis Agentur anzurufen, bisher nicht. Rasch hätten sich sowohl Jerzy als auch Werner Meyer arrangiert. Er sieht es als eine Dienstleistung an, mit allem Wenn und Aber. "Man muss sich respektieren, dem anderen Freiräume lassen", so Meyer.

In seiner Freizeit fährt Jerzy gern Fahrrad, geht einkaufen, liest in einem Cafe ein Buch. "Aber das Handy muss in seiner Nähe sein, falls ich stürzen sollte", sagt Meyer. Ein Leben auf Abruf - für Jerzy kein Problem, denn von den durchschnittlich 1300 Euro, die er monatlich erhält, kann seine Familie in Polen zwei Monate lang gut leben.

Selbstverständlich habe Jerzy manchmal Heimweh. "Aber bei uns kann ich momentan kein Geld verdienen, also muss ich woanders arbeiten", sagt der Pole. Eine medizinische Versorgung jedoch kann und darf Jerzy nicht vornehmen. Sobald Meyer die bräuchte, würde er einen ambulanten Pflegedienst in Anspruch nehmen. In ein Altenheim zu ziehen, kommt für Meyer nicht infrage: "Ich will meinen Tagesablauf selbst bestimmen."