Hamburg-Shanghai mit 45 PS

Rallye: 80 Teilnehmer starten heute zur Oldtimer-Tour in die Partnerstadt. 12 086 Kilometer liegen vor den Fahrern und ihren Beifahrern. Das älteste Auto stammt aus dem Jahr 1930.

Wenn heute um 12 Uhr Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust die Fahne hebt, starten 80 Fahrer der Oldtimer-Welt-Rallye von Hamburg nach Shanghai. Mit 42 Automobilen und Motorrädern soll die 12 086 Kilometer lange Strecke in 67 Tagen bezwungen werden. Anlaß ist der 20. Geburtstag der Städtpartnerschaft zwischen Hamburg und Shanghai.

Gestern mittag bei der gutbesuchten Vorstellung der teilnehmenden Oldtimer auf dem Rathausmarkt: "Ich würde am liebsten jetzt schon los", sagt Dieter Heinemeyer. Der 63 Jahre alte Maschinenbauingenieur steht neben seinem cremefarbenen Peugeot P 203 C. Baujahr 1955, 45 PS. Vor zwei Jahren hat er das Auto in Luxemburg entdeckt und mehr als 2000 Stunden Arbeit in die Restaurierung investiert. Die Arbeit hat sich gelohnt. Aus einer verrosteten alten Mühle ist ein glänzendes Schmuckstück mit einem geschätzten Wert von 12 000 Euro geworden. Und dieses Schmuckstück soll ihn und Beifahrer Udo Fröhner über Polen, Litauen, Lettland, Estland und Rußland in die Mongolei bis nach China bringen.

Daß die betagten Maschinen das auch wirklich leisten können, steht für Claus Juraschek (61) aus Winsen Luhe außer Frage. Der Architekt vertraut auf seinen Mercedes 280 SL 107 von 1975. "Ich habe den Wagen vor der Rallye in einer Werkstatt für Oldtimer durchchecken und vier Zentimeter höher legen lassen", sagt er. Denn ab Novosibirsk, so fürchtet er, liege auf den Straßen viel Geröll. "Wenn dann das Auto zu tief auf der Straße liegt, reißt der Schotter den gesamten Unterboden auf", erklärt Juraschek. Ein paar Meter weiter stehen seine Frau Jutta (55) und Tochter Nina (24). Sie fahren mit ihrem Mercedes-Benz 280 SL Pagode von 1969. Der Wert ist vom Kaufpreis (32 000 Mark) auf 50 000 Euro gestiegen. Hat man da nicht Angst um das teure Auto, wenn man einen Kontinent durchquert? "Wenn man sein Auto kennt und dementsprechend fährt, kann eigentlich nichts passieren", sagt Juraschek.

"Wir fahren aus logistischen Gründen nie mit mehr als etwa 40 Teams", sagt Ideengeber und Organisator Uwe Quentmeier. 69 Fahrer hatten sich bei Quentmeier für die Rallye beworben, 42 hat er ausgesucht. "Kriterien waren der klassische Grad der Autos und daß aus einer Baureihe nicht mehr als zwei Autos mitfahren", so der 51jährige. Begleitet werden die Teilnehmer von einem Ärzteteam und drei Mechanikern mit einem 7,5-Tonnen-Werkstatt-Lkw. Am 3. August sollen alle Teams in Shanghai ankommen. Nach einem siebentägigen Aufenthalt fliegen die Teilnehmer zurück nach Hamburg. Die Autos werden verschifft. Im nächsten Jahr plant Quentmeier, die Ur-Rallye Peking-Paris wiederzubeleben.