In Großbritannien fing Alles an

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Wer in Großbritannien morgens kurz vor Schulbeginn auf der Straße ist, sieht keine Kinder in Jeans, Turnschuhen, T-Shirt. Von 8 Uhr bis 16 Uhr verwandelt sich die Inseljugend in kleine Gentlemen und Mini-Ladies. Die Jungen sind mit Hemd, Jackett, Schlips und winters wie sommers mit Shorts ausstaffiert (lange Hosen sind für ältere Jahrgänge reserviert), die Mädchen tragen Blazer, Faltenrock, hochgezogene Kniestrümpfe und gern ein Hütchen. Die Insel ist die Wiege der Schuluniform. Selbst in privaten Kindergärten gibt es oft bereits für Dreijährige Kleidungsvorschriften. Das genormte Schuloutfit hat in England eine lange Tradition. Die ersten Uniformen wurden im 16. Jahrhundert für arme Schüler eingeführt. Elitäre Privatschulen adaptierten die Idee 300 Jahre später. Heute tragen fast alle englischen Kinder in der Schule Einheitskleidung.

Außer in Großbritannien sind Schuluniformen in Europa mittlerweile fast abgeschafft worden; in Rußland wurden sie nach dem Einsturz der Sowjetunion ausrangiert. Viele der ehemaligen britischen Kolonien wie zum Beispiel Indien halten an der Einheits-Schulkleidung fest. In Japan und Korea sind Schuluniformen für Schüler eine Selbstverständlichkeit, in Kuba werden sie sogar noch an den Universitäten getragen. In den USA gibt es keine Schuluniformen in öffentlichen Schulen, aber in vielen privaten Lehranstalten. Kinder für ein Schuljahr auszustaffieren kann teuer sein: Uniformen kosten britische Eltern je nach Schule zwischen 35 und 300 Euro, wenn zum Beispiel hochwertige Blazer zur Ausstattung gehören. Sogar die Schultaschen sind in vielen Institutionen genormt.

Die Uniformpflicht wird in Großbritannien generell als positiv bewertet. Schuluniformen sind gut für Disziplin und Schulethos, sagt Ex-Bildungsministerin Ruth Kelly. Sie helfen, die Verbundenheit der Schüler mit ihrer Schule zu stärken, fördern das Gemeinschaftsgefühl. Auch wird immer wieder betont, daß so der Konkurrenzkampf um Prestige-Kleidung und der damit verbundene Gruppendruck unterbunden wird, Ausländer besser integriert werden können. Und wie stehen die Schüler zum Uniformzwang? 67 Prozent der Jungen und 52 Prozent der Mädchen haben sich in einer Umfrage für Einheitskleidung ausgesprochen.

( kan )

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