Das neue Ikea wird gestürmt

Moorfleet - 28 000 Menschen kamen zur Eröffnung der größten deutschen Filiale.

Es ist das größte deutsche Haus des schwedischen Möbelriesen. Und es war ein Käufer-Sturm, der selten geworden ist in der Zeit der Konsumflaute. 28 000 Menschen besuchten gestern die Eröffnung der neuen Ikea-Filiale in Moorfleet. Stau am Eingang, Stau vor den Kassen, Stau auch an der Autobahnabfahrt Moorfleet. Magda Kreutz (58) hatte extra gegenüber in ihrem Schrebergarten übernachtet, um eine der Ersten zu sein. Zusammen mit 1500 Menschen wartete sie bereits vor der Öffnung um 7 Uhr auf dem Parkplatz. Der Andrang in der mit 19 000 Quadratmetern größten deutschen Filiale war dann auch zu viel - für die Rolltreppe im Eingangsbereich, die kurzfristig ihren Dienst versagte. Die Mitarbeiter zeigten sich hingegen stresserprobt und freundlich. Rüdiger Lichten (31) winkte mit Engelsgeduld als einer von 40 Sicherheitskräften Autofahrer in freie Parkplätze ein. "Stress gab es bisher noch keinen", zog er nach sechs Stunden und fünf getrunkenen Litern Wasser Halbzeitbilanz um 13 Uhr. Keine Unfälle, keine gereizten Kunden. Nur Gestöhne beim Schieben der Einkaufswagen auf dem Parkplatz. Der Hitze wegen. Viele suchten da Schatten unter dem Zelt mit den Bananenbäumen. Ehe sie sich versah, hatte Sevgi Sert (33), Telefonistin aus Horn, drei der Exoten auf ihrem Wagen. "Eine für meine Freundin, zwei für mich", strahlte sie. Und preislich kein Problem: Bettwäsche, Duschvorhang, eine Pfanne (für einen Euro), Bügel, Glühlampen und ein Stuhl hatten sie bis dahin nur 36 Euro gekostet. "Das ist das Schöne an Ikea." Auch BWL-Student Mathias Wolf (24) wollte "noch schnell Gardinenstoff besorgen" - wo er doch schon mal da war. 300 Liter Pepsi Cola schenkte er mit einem Kollegen von Pac Man Promotion aus einem Rucksack-Kanister auf dem Parkplatz aus - kostenlos. Um 17 Uhr waren die 300 Liter weg, und Wolf kam zu seinen Gardinen. Überhaupt gab es für die Kunden auch im Haus Service an allen Ecken und Enden: Kinderschminken und Luftballontiere, kostenlose Porträts und Musik, sogar Rückenmassagen auf dem Massagestuhl. Während die Masseure Kai Schwochow (38) und Laya Antje Hinz (31) den Verspannungen von Kunden zu Leibe rückten, waren drei Kollegen hinter den Kulissen für die Mitarbeiter im Einsatz. Viel Glück hatte Karo Holeska (18) aus Maiendorf. Die Schülerin wurde unter den 1000 ersten Besuchern ausgelost, bekommt für ein Jahr die Miete von Ikea spendiert. Einige der 350 Ikea-Angestellten waren aus anderen Filialen für den Eröffnungstag angereist. Oder waren extra für das neue Haus eingestellt worden, wie Jennifer Lubcyk (18). "Ich hatte mir den ersten Tag schlimmer vorgestellt - die Kunden sind alle sehr nett", lobte die Kassiererin zwischen Pfanne "Steka" und Stoffelch "Algkalv". Claudia Maric (47) aus Geesthacht kontrollierte trotzdem routinemäßig den 20 Zentimeter langen Kassenbon, kämpfte dann beim Verstauen von fünf Regalen und vielen Kleinteilen in ihrem Mercedes-A-Klasse. 16.30 Uhr, noch dreieinhalb Stunden. Der Regen kam, und der größte Ansturm war vorbei. "Ein gelungener Auftakt", freute sich Chefin Martina Seidel (36). Über die Besucher. Und ganz viele verkaufte Regale, Pfannen und Bananen.