Der China-Gipfel in Hamburg: Eröffnet mit einem Gala-Diner

Kontakte: Auftakt zu einer Konferenz, die künftig im Zwei-Jahres-Rhythmus veranstaltet wird

So viele hochkarätige Gäste aus der internationalen Politik und Wirtschaft hat das Rathaus seit langem nicht mehr unter seinem Dach vereint. Mit einer Galaveranstaltung wurde gestern abend der erste Hamburger China-Gipfel eröffnet, der bis Sonnabend geht. Mit der neu ins Leben gerufenen Konferenz "Hamburg Summit: China meets Europe" will die Handelskammer eine renommierte Plattform schaffen, auf der rund 450 Unternehmer, Manager und Politiker die Beziehungen zwischen China und Europa diskutieren, Kontakte knüpfen und intensivieren. Das Treffen soll alle zwei Jahre stattfinden.

Zum Auftakt begrüßte Bürgermeister Ole von Beust (CDU) in seinem Amtszimmer Chinas Stellvertretenden Ministerpräsidenten Zeng Peiyan, der mit einer 30köpfigen Delegation anreiste und sich in das Goldene Buch der Stadt eintrug. Dabei war auch Altbundeskanzler Helmut Schmidt (SPD), der neben Altbundeskanzler Helmut Kohl (CDU) und Singapurs Staatsgründer Lee Kuan Yew zu den Schirmherren der Veranstaltung zählt. Auch Siemens-Chef und Vorsitzender des Asien-Pazifik-Ausschusses, Heinrich von Pierer, Handelskammerchef Karl-Joachim Dreyer und Chinas Botschafter in Deutschland, Ma Canrong, waren mit dabei.

"Wir sind glücklich und stolz, daß Hamburg heute die europäische Hauptstadt der Chinesen in der Europäischen Union ist", nannte Nikolaus W. Schües, Konferenzvorsitzender und Ex-Vize-Präses der Handelskammer die Motivation, den Gipfel in der Hansestadt zu etablieren. Hamburg sei bereits Chinas Tor nach Europa und versuche nun auch Europas Tor nach China zu werden. Große Zukunft sieht Schües im gegenseitigen Tourismus. In Hamburg - chinesisch "Han bao" (Burg der Chinesen) - sind nach Worten des Bürgermeisters von Beust mit 320 Firmen die meisten chinesischen Unternehmen in Europa angesiedelt. "Hamburg bietet einen zentralen Zugang zu den Wachstumsmärkten in Osteuropa und der Ostseeregion."

Altbundeskanzler Helmut Schmidt, der beim Abendessen im Großen Festsaal die Tischrede hielt, mahnte zu mehr Geduld für einen politischen Wandel in der Volksrepublik China. "Mit der Entwicklung der Marktwirtschaft wird sich auch die autoritäre politische Kultur verändern. Aber der Wandel braucht Zeit." Westlichen Politikern und Intellektuellen, die China in Fragen der Demokratie und Menschenrechte geißelten, warf Schmidt mangelnde Achtung vor der rund 3000 Jahre alten Kultur vor. Im Vergleich zu früheren Regierungen bezeichnete Schmidt die Stabilität des jetzigen Systems als zweckdienlich. "Es ist gut für die chinesische Nation und auch für ihre Nachbarn."

Helmut Schmidt, der 1975 als erster deutscher Kanzler China besuchte, bezeichnete sich selbst als "Freund Chinas". Er bewundere den grundlegenden Wandel. Seit Jahren wachse die Wirtschaft jährlich um acht Prozent, so stark wie in keinem anderen großen Land. China sei nicht nur Exporteur von Konsumgütern, sondern auch von Hochtechnologie. "Chinas Computer, Flugzeuge, Schiffe und Maschinen sind qualitativ so gut wie westliche Produkte, allerdings auf Grund der niedrigeren Löhne sehr konkurrenzfähig."

Ein großes Problem sieht Helmut Schmidt in der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich. Sowohl die teils rückständigen Staatsindustrien als auch die Landwirtschaft müßten modernisiert werden. Schmidt geht davon aus, daß China binnen zwei Jahrzehnten mit seiner Wirtschaftskraft an zweiter Stelle der Welt stehen werde, aber gemessen am Pro-Kopf-Einkommen noch eine Zeitlang ein Entwicklungsland bleiben werde.

Schmidt erhielt schließlich für seine Verdienste um die Beziehungen zu China den ersten "China-Europe friendship award" des Hamburg Summit, der ihm von Wei Jiafu, Chef von COSCO, einer der größten Reedereien der Welt, überreicht wurde.