Chinesen bauen Teehaus neben dem Museum für Völkerkunde

Zweiter Tag: Bürgermeister Ole von Beust wurde gestern in Hamburgs Partnerstadt Shanghai empfangen - es gab erste Ergebnisse.

Shanghai ist offenbar ein besseres Pflaster für den Hamburger Bürgermeister als Peking. Nachdem Ole von Beust und seine Delegation gestern Vormittag von der chinesischen Hauptstadt in die Hamburgische Partnerstadt geflogen waren, lief gleich alles viel besser als am ersten Tag der China-Reise. Statt Dauerregen wie in Peking zeigte sich in Shanghai wenigstens kurz einmal die Sonne. Anstatt stundenlang im Stau zu stehen, wurde der Hamburger Bürgermeister hier von einer Polizeieskorte durch die Stadt dirigiert. Und statt Absagen von Spitzenpolitikern zu kassieren wie in Peking, wurde von Beust in Shanghai von Bürgermeister Han Zheng mit großer Zeremonie im Rathaus empfangen.

Dort gab es auch die ersten konkreten Ergebnisse der fünftägigen Reise. Mit der Unterzeichnung mehrerer Einzelabkommen haben Shanghai und Hamburg ihre Partnerschaft nun weiter ausgebaut. Festgeschrieben wurden etwa der Austausch von Trainees und die gemeinsame Ausrichtung einer ökologischen Bauausstellung. Außerdem erklärten die Shanghaier ihre Absicht, in Hamburg für rund zwei Millionen Euro ein original chinesisches Teehaus zu errichten. Hamburg stellt dazu das Grundstück von 3500 Quadratmeter Größe hinter dem Museum für Völkerkunde 30 Jahre mietfrei zur Verfügung - bisher sind dort Tennisplätze. Die Shanghaier wollen dafür ihr zentrales Teehaus, eine große Touristenattraktion in der 17-Millionen-Menschen-Metropole, in Hamburg nachbauen und betreiben - inklusive dem umgebenden Teich und den Zickzackbrücken, die böse Geister fernhalten sollen. Beust testete das Original-Teehaus gestern bereits, zeigte sich begeistert vom Bau, dem grünen Tee - und raunte Hamburger Journalisten augenzwinkernd zu: "Da könnte noch'n lütten Schnaps rein, dann wäre alles prima."

Zuvor hatten sich der Shanghaier Bürgermeister und Beust bereits ein gemeinsames Ziel gesetzt: Sie wollen ein Dreier-treffen zusammen mit der Bürgermeisterin von St. Petersburg organisieren, denn St. Petersburg ist nicht nur Hamburger, sondern auch Shanghaier Partnerstadt.

Die Aufmerksamkeit, die Shanghai Hamburg widmete, ist nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit. Immerhin hat die Metropole neben Hamburg rund 60 weitere Partnerstädte, darunter San Francisco, Osaka, Dubai und Sao Paulo. Hamburgs Bürgermeister zeigte sich denn auch erfreut über den freundlichen Empfang - und gab sich angesichts der Absagen von Spitzenpolitikern am Vortag in Peking realistisch: "Hamburg ist eine wunderbare Stadt, aber wir sind nicht der Nabel der Welt."

Am Abend zeigte sich bei einem Empfang der HSH Nordbank, dass Hamburg als Hafen in Europa die Nummer eins für viele chinesische Firmen ist.

Aber auch die Frage der Menschenrechte stand gestern auf der Tagesordnung. Gegenüber Shanghais Bürgermeister setzte sich von Beust für die Freilassung eines politischen Gefangenen ein - der Fall war ihm von Menschenrechtlern und Anwälten ans Herz gelegt worden. Nachmittags traf sich der Senatschef zudem mit dem Oberhaupt der 30 Millionen protestantischen Christen Chinas. Von Regierungsvertretern kam danach immerhin eine vage Zusage: Man werde prüfen, ob hier demnächst ein Seelsorger aus Deutschland beschäftigt werden dürfe.

So war der zweite Tag der Reise ein gelungener. Nur eine Hamburger Mitreisende trug Schaden davon: die CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Karen Koop. Sie hatte sich auf dem Flug nach Shanghai heißen Kaffee über die Beine gekippt. Ihre Brandblasen ließ sie vom mitreisenden Barmbeker Chefarzt Wilhelm Höpker behandeln.