Beust-Besuch in China beginnt mit Pannen

Erster Tag: Zwei Absagen, Probleme im Hotel und schlechtes Wetter gab es zum Auftakt der Reise des Bürgermeisters.

Es hätte auch besser laufen können am ersten Tag der China-Reise des Hamburger Bürgermeisters. Als Ole von Beust (CDU) und seine Delegation aus Politik, Wirtschaft und Kultur gestern Morgen gegen 8 Uhr Ortszeit in Peking landeten (2 Uhr nachts in Hamburg), lag ein für die Jahreszeit untypischer Nebel über der chinesischen Hauptstadt. Und das war erst der Anfang einer Reihe von weniger glücklichen Umständen. Kurz darauf wurde endgültig bestätigt, dass der chinesische Vize-Premierminister nicht wie ursprünglich geplant für ein Gespräch mit dem Hamburger Senatschef zur Verfügung stand - und der zunächst ersatzweise vorgesehene Handelsminister hatte keine Zeit für Ole von Beust und sein Gefolge. Begründung: Die chinesischen Spitzenpolitiker müssten sich auf die bevorstehende Sitzung des Zentralkomitees (ZK) der Kommunistischen Partei (KP) vorbereiten.

Im Hotel kam es dann zu einem schier endlosen Hickhack, weil offenbar zu wenige Zimmer gebucht waren, so dass Teile der Delegation erst nach einigen Stunden einen Raum bekamen. Ein Mitreisender traf in seinem Zimmer gar auf einige halb bekleidete Chinesen, die dort bereits eingemietet waren - eine Schrecksekunde für beide Seiten. Und schließlich begann es für den Rest des Tages in Strömen zu regnen - und die 13-Millionen-Metropole versank in einem Verkehrschaos, wie man es in Hamburg wohl kaum einmal erlebt hat. Die Folge: Einen guten Teil des ersten China-Tages verbrachten viele Mitglieder der Delegation, wie auch Ole von Beust selbst, im Stau, und zu keinem der verbliebenen Termine kam der Bürgermeister pünktlich.

Ole von Beust selbst zeigte sich dennoch gelassen - und nahm die Kette von Missgeschicken mit Humor. Wer Christ sei, müsse fröhlich sein, so sein Motto.

Völlig erfolglos blieb der erste Tag der China-Reise trotz der Pannenserie dennoch nicht. Mittags wurde von Beust von Lu Quitian zu einem 14-gängigen Essen am Rande der Verbotenen Stadt empfangen. Lu Quitian war von 1997 bis 2001 chinesischer Botschafter in Deutschland und ist jetzt Präsident des chinesischen Instituts für Auswärtige Angelegenheiten.

"Hamburg hat eine ganz besondere Stellung bei uns", betonte der Ex-Botschafter. Seit 1792 gebe es enge Beziehungen zwischen China und Hamburg. "Man sagt zu Recht, dass Hamburg das Tor Chinas zu Europa ist."

Von Beust dankte für die freundliche Aufnahme, warb für eine noch engere Zusammenarbeit bei Investitionen, Jugendaustausch und Medizin und regte an, China möge in Hamburg eine Auslandsuniversität errichten. Auch der Sport habe eine große Bedeutung bei der Kooperation, so der Bürgermeister augenzwinkernd - deswegen sei ja auch HSV-Chef Bernd Hoffmann dabei: "Er will wohl vom chinesischen Fußball lernen, wie man mal wieder gewinnen kann."

Am Nachmittag stand ein Besuch beim ehemaligen Shanghaier Bürgermeister und jetzigen Präsidenten des Industrieverbandes, Xu Kuangdi, auf dem Programm. Xu Kuangdi, der auch Mitglied des mächtigen ZK ist, witzelte angesichts des Dauerregens gleich zu Beginn: "Sie haben sich den richtigen Moment ausgesucht. Heute haben wir Hamburger Wetter in Peking."

Von Beust und Handelskammerpräses Karl-Joachim Dreyer betonten, dass es in Hamburg rund 340 chinesische Firmen gebe - und damit mehr als in jeder anderen Stadt Europas. Xu Kuangdi erwiderte ironisch: Das müssten dann aber kleine Firmen sein. Besonders stark seien die Chinesen wohl in der Gastronomie vertreten. In Zukunft, so kam man überein, solle man auch auf dem Gebiet der Technologie enger zusammenarbeiten.

Am späteren Nachmittag folgten kurze Besuche in zwei Zentren kritischer Künstler. Und am Abend versammelte man sich, wegen des Dauerstaus in der Stadt wiederum verspätet, in der deutschen Botschaft. Dort präsentierte Hamburg sich als Investitionsstandort und warb für die HafenCity. Im Publikum saßen zwar auch allerlei Chinesen. Die große Mehrheit der Zuhörer dieser PR-Veranstaltung aber stellten die Deutschen selbst.

Heute reist die Delegation weiter nach Shanghai. Am Freitag geht es nach Hongkong, am Sonnabend wird der Bürgermeister wieder in Hamburg erwartet.