Hamburg

Neuer Trend: Alles nur geliehen

Zwei Hamburger setzen mit Lieber-Leihen-Läden auf neuen Trend. Im Internet gibt's fast alles zu mieten - von Abendkleidern bis zu Zeppelinen.

Hamburg. Im Leihladen von Miriam Wolf und Ricardo Cabrelles sieht es aus wie in einem Schlaraffenland für die liebsten Freizeitbeschäftigungen der Deutschen: Es gibt alles zum Grillen, für Gartenpartys, zum Heimwerken oder für den Ausflug ins Grüne. Kajaks hängen an der Decke, Hüpfburgen stehen ordentlich verpackt in der Ecke, Nebelmaschinen warten darauf, das Wohnzimmer zur Disco zu verwandeln. "Bei uns kann man fast alles mieten", sagt Ricardo Cabrelles, der selber leidenschaftlich gerne als Heimwerker arbeitet und schon als Junge mit seinem Vater einen Swimmingpool gebaut hat. Da ist es kein Zufall, dass er auch alles im Angebot hat für Männer, die einen Teich anlegen oder einen Gartenpavillon bauen wollen.

Angefangen haben die beiden Unternehmer, die auch privat ein Paar sind, mit ihrem Lieber-Leihen-Laden am Lokstedter Steindamm. Wegen der großen Nachfrage haben sie im vergangenen Herbst einen zweiten Standort in Farmsen-Berne eröffnet und denken nun bereits an eine weitere Leihstation im Westen der Hansestadt. Der Umsatz erreicht in diesem Jahr gut 200 000 Euro, neben ihrem Geschäftsführergehalt können sich die beiden Inhaber damit bereits zwei Mitarbeiter leisten.

"Wir setzen auf den Trend des Teilens", sagt Miriam Wolf, die früher im Hamburger Trendbüro gearbeitet hat und die Strömungen in der Gesellschaft damit schon immer genau im Blick hatte. In den USA ist es schon länger üblich, Dinge auszuleihen, die nicht zum Alltagsbedarf gehören. In Deutschland zeigt der Erfolg von Carsharing-Modellen oder Anbietern für Wohnungsüberlassung, dass auch hier viele Menschen lieber mieten als kaufen. Etliche Anbieter haben sich in diesem Geschäftsfeld bereits etabliert.

Und vor allem das Internet hilft, Anbieter und Suchende zusammenzubringen und die Leihbedingungen und -formalitäten auf einer Plattform zu bündeln (siehe Kasten). Der Trend zum Mieten kommt aus den USA, wie alle großen Internetinnovationen der vergangenen Jahre. Genauso wie Amazon oder Ebay zu riesigen, weltumspannenden Marktplätzen geworden sind, kann das Internet von den Nutzern auch als Miet- und Tauschbörse verwendet werden. Einige bekannte Portale haben sich bereits auch in Deutschland etabliert:

Auf erento.de können die Nutzer von Fahrzeugen, Flugzeugen, über Boote, DJs oder Zapfanlagen praktisch alles leihen, was in welcher Lebenssituation auch immer nützlich sein kann.

+++ Ob Kunst, Kleider oder Technik - viele Anbieter spezialisieren sich +++

Ein vergleichbar großes Angebot bei miet24.de macht den Kunden die Auswahl nicht gerade leicht. Heute ein Wohnmobil, morgen ein Haus für die Ferien oder ein Zeppelin für einen ungewöhnlichen Ausflug? Fast alles ist möglich, bei dem Portal sind über eine Million Artikel zu haben.

"Auch wir wären ohne das Internet nicht da, wo wir jetzt mit unserem Unternehmen stehen", sagt Miriam Wolf, die sich selber übrigens am liebsten das Kajak ausleiht. Auf einer der bekannten Leihplattformen im Internet, auf der Seite erento.de, haben die beiden Hamburger 35 ihrer gut 300 Produkte im Angebot. Das bringt neue Kunden, denn erento ist bei der Google-Suche leichter zu finden als ihre eigene Homepage, die Lieber-Leihen.de. heißt. "Jetzt machen wir aber auch immer mehr Werbung, im Internet, aber auch auf den HVV-Bussen", sagt Miriam Wolf.

Wichtige Erfolgsfaktoren der Familienfirma sind aber auch etliche Stammkunden. "Im Frühjahr leihen sie Vertikutierer für den Rasen, im Sommer die Seifenblasenmaschine für den Kindergeburtstag und Ende des Jahres die Skibox für den Wintersport", sagt Ricardo Cabrelles. Der Tüftler leiht die Gartengeräte, die Werkzeugkästen und Schleifmaschinen übrigens nicht nur an die Kunden aus, sondern hilft auch denjenigen Hamburgern, die mit zwei linken Händen auf die Welt gekommen sind. "Wir haben einen eigenen Hausmeisterservice und wollen diesen auch weiter ausbauen", sagt Cabrelles, der früher bei der Firma Schrauben-Würth gearbeitet hat und sich bestens mit allen möglichen nützlichen Haushaltshelfern auskennt.

Auch wenn die beiden Leihspezialisten bereits die stolze Summe von 150 000 Euro für ihre Mietgeräte ausgegeben haben - sie versuchen, immer wieder neue Produkte ins Angebot zu nehmen. "Einige Kunden haben uns nach einer Wasserrutsche gefragt", sagt Miriam Wolf und lacht, "das ist dann wahrscheinlich unsere nächste Anschaffung." Dann muss eigentlich nur noch der Sommer kommen.