Menschlich gesehen

In der Motte

Er ist ein Großstadtkind aus Ankara mit Stationen in Berlin, Frankfurt, Bremen und Hamburg. "Im Norden", sagt Fatih Haholu, "fühle ich mich zu Hause." In einem Reihenhaus in Iserbrook hat sich der 42-Jährige mit Frau und Sohn eingerichtet. Von dort hat es der Soziologe und Jugendarbeiter nicht weit zum Stadtteil- und Kulturzentrum Motte in Ottensen, wo er sich um Kinder und Jugendliche kümmert. Doch jetzt hat er Sorgen. Der Senat plant, eine der drei Stellen in der Motte einzusparen. Wenn es schlecht läuft für Fatih Haholu, dann trifft es ihn.

Das Zusammensein mit den jungen Leuten ist nach dem Familienleben das Wichtigste für den gebürtigen Türken. "Meine Berufung", sagt Fatih Haholu, der vor 13 Jahren zum Studieren nach Deutschland gekommen ist. Seine Arbeit nimmt er gar nicht als solche wahr. "Wenn ich aufstehe, habe ich nicht das Gefühl, zum Job zu gehen, sondern Freunde zu treffen", sagt der Mann mit dem freundlichen Lächeln, den die meisten Fatih nennen. Jugendliche, die Sorgen haben und verzweifelt sind - etwa, weil ihnen Schulden über den Kopf wachsen -, können sich jederzeit bei ihm melden. "Fatih wird dann sofort aktiv", sagt eine Kollegin. Sein warmherziger Umgang mit den Jugendlichen komme bei diesen sehr gut an.

In diesem Sommer wird Fatih Haholu eine Auszeit vom Job in der Motte nehmen. Dann erwartet seine Frau das zweite Kind.