"Wie sage ich es dem Chef, ohne dass er vom Stuhl kippt?"

Volker Baisch erklärt, warum (und wie am besten) immer mehr Papas in Elternzeit gehen

Volker Baisch, Gründer des Vereins Väter, erklärt, wie und warum immer mehr Papas Elternzeit beantragen.

Hamburger Abendblatt:

Ist Hamburg väterfreundlich?

Volker Baisch:

Ja, seit 2004. Seitdem fördert der Hamburger Senat unser Projekt "Väter e. V." und hat damit bundesweite Akzente gesetzt. Von hier aus hat sich ein Netzwerk aufgebaut, das sich um das Thema Väter in Elternzeit kümmert. Hamburg war also Vorreiter.

Wieso haben Sie den Verein gegründet?

Als meine Frau 2000 schwanger wurde, wollten wir uns die Elternzeit gerne teilen. Dabei habe ich festgestellt, dass es keinerlei Informationen oder Hilfen für Väter gibt, die zu Hause bleiben, um sich um das Kind zu kümmern. Das war für mich der Anlass, mich mit anderen Vätern auszutauschen, diesen Verein und www.vaeter.de zu gründen.

Was sind die größten Sorgen oder Fragen, die Väter heute beschäftigen?

Die größte Frage ist: "Wie sage ich's meinem Chef, ohne dass er vom Stuhl kippt?" Bei Frauen deutet es sich neun Monate an, dass irgendwann der Tag kommt, an dem sie in Elternzeit geht. Wenn jedoch der Vater in Elternzeit geht, ist das verwunderlich für den Chef, weil er damit nicht rechnet.

Wie geht Mann dann am klügsten vor?

Das Wichtigste ist, dass man sich vor dem Gespräch sehr gut informiert: über das Elternzeit-Gesetz, über seine Rechte und Pflichten, über das Elterngeld. Dann sollte man nicht nur ein Szenario für die nächsten Monate im Hinterkopf haben und das präsentieren, sondern mehrere, also Flexibilität mitbringen.

Werden Männer, die in Elternzeit gehen, in den Unternehmen ernst genommen?

Vor ein paar Jahren natürlich noch nicht, da waren wir die Exoten. Aber jetzt ist es anders, überhaupt nicht mehr verschrien, gerade Unternehmen mit vielen jungen Angestellten sind da sehr offen. Also keine Angst! Selbst Top-Führungskräfte sagen sich: Die Zeit nehme ich mir.

Hat sich das Vater-Bild in den letzten Jahren geändert?

Auf jeden Fall. Väter engagieren sich viel stärker, verbringen achtmal so viel Zeit mit ihren Kindern wie vor zehn Jahren. Die Väter heute sind viel dichter dran, auch emotional.

Wann sind Männer die besseren Mütter?

Vätern fällt es leichter abzuschalten und sich in das Spiel von Kindern zu vertiefen. Psychologen haben außerdem festgestellt, dass Väter anders intervenieren, eher "ein langes Band lassen", was man zum Beispiel auf Spielplätzen gut beobachten kann.

Kann ein Mann, der Windeln wechselt und Brei kocht, noch cool sein?

Ansichtssache. Frauen sind genauso uncool oder unsexy mit einer Bluse voller Milch. Aber das gehört dazu. Es geht in der Phase eben nicht um Attraktivität.