Sternschanze

Spektakulärer Plan: Rote Flora wird Konzerthalle

| Lesedauer: 2 Minuten
Axel Tiedemann

Eigentümer der Roten Flora stellt einen Antrag auf einen Bauvorbescheid: Das von Linksautonomen besetzte Gebäude in der Schanze soll zu einem Veranstaltungszentrum umgebaut werden. Nur eine Drohung, um die Stadt zum Kauf zu bewegen, weil neue Krawalle drohen?

Hamburg. Im Poker um die Zukunft der von Linksautonomen besetzten Roten Flora im Hamburger Schanzenviertel ist eine überraschende Wende eingetreten. Eigentümer Klausmartin Kretschmer und sein Berater Gert Baer haben am Freitag für das Grundstück beim zuständigen Bezirksamt Altona nach eigenen Angaben eine Anfrage zu einem Bauvorbescheid eingereicht. Ihr Plan sieht den Umbau des früheren Theatergebäudes zu einem großen Konzert- und Veranstaltungsgebäude mit bis zu 2500 Plätzen vor.

Ein amerikanischer Investor unterstütze das Projekt, sagte Baer dem Abendblatt. Die viergeschossige Rote Flora solle dabei möglichst in den neuen Komplex einbezogen werden, der laut dem Vorbescheidsantrag etwa sechs Stockwerke hoch sein wird. Darüber hinaus sehen die Pläne den Bau einer Tiefgarage auf drei Ebenen für rund 300 Fahrzeuge sowie Flächen für Restaurants, Büros und eine Kindertagesstätte vor. Die jetzigen Besetzer der Roten Flora könnten in die Planung mit einbezogen werden, sagte Baer. Man werde ihnen zu günstigen Konditionen Räume anbieten.

Der Vorbescheidsantrag ist damit der vorläufige Höhepunkt im Verhandlungsmarathon zwischen Kretschmer und der Stadt. 1989 war das 1888 gebaute Gebäude von Mitgliedern der linken Szene besetzt worden. Vor gut zwölf Jahren verkaufte die Stadt die Immobilie und das rund 1800 Quadratmeter große Grundstücke für damals 370.000 Mark an Kretschmer, der die Besetzer zunächst gewähren lassen wollte. Die Stadt versprach sich davon Ruhe um das Haus, von dem immer wieder Krawalle ausgegangen waren. Vor etwa einem Jahr wollte Kretschmer das Gebäude wieder an die Stadt verkaufen, lehnte deren Angebot über 1,3 Millionen Euro aber ab. Die Stadt brachte daraufhin einen neuen Bebauungsplan auf den Weg, der die Nutzung als Stadtteilkulturzentrum festschreibt. Dahinter stand die Befürchtung, ein Verkauf des Gebäudes für einen andere Nutzung in dem inzwischen begehrten Stadtteil könnte neue und schwere Krawalle auslösen.

Immobilienberater Baer ließ gegenüber dem Abendblatt keinen Zweifel daran, dass Flora-Eigentümer Kretschmer gegen den Bebauungsplan klagen wird, sollte der Vorbescheidsantrag abgelehnt werden. Auch einen Rückverkauf der Flora an die Stadt schloss er nicht aus. Altonaer Bezirkspolitiker werten den neue Vorstoß als Versuch, den Kaufpreis hoch zu treiben.