Hamburg

4000 Flüchtlinge in Osdorf – CDU warnt vor neuem Brennpunkt

Die Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Max-Bahr-Baumarkt am Rugenbarg. In unmittelbarer Nähe ist offenbar eine weitere Unterkunft für 700 Menschen geplant.

Die Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Max-Bahr-Baumarkt am Rugenbarg. In unmittelbarer Nähe ist offenbar eine weitere Unterkunft für 700 Menschen geplant.

Foto: Klaus Bodig

Über eine neue Unterkunft mit 700 Plätzen wurden die Anwohner in Osdorf noch nicht informiert. Entsteht ein sozialer Brennpunkt?

Osdorf.  In Osdorf sollen offenbar deutlich mehr Flüchtlinge untergebracht werden als bislang bekannt. In einer Senatsdrucksache wird überraschend eine Fläche an der Ecke Blomkamp/Grubenstieg als zusätzlicher Standort für eine neue Unterbringung mit 700 Plätzen genannt. Dem Vernehmen nach sorgt diese Nachricht in der Nachbarschaft für große Unruhe. Der Grund: Dort sind bereits Unterkünfte im Bau oder in der Planung, für die schon mehr als 800 Plätze ausgewiesen wurden.

Ein relativ kleines Areal für 4000 Flüchtlinge

Zählt man die Plätze in weiteren bestehenden Unterkünften der Gegend und die jetzt geplanten 700 zusammen, wird klar: Nördlich der Osdorfer Landstraße könnten auf einem relativ kleinen Areal schon bald insgesamt fast 4000 Flüchtlinge leben.

Derzeit plant die Sozialbehörde am Blomkamp den zweiten Bauabschnitt auf dem westlichen Gelände der Baudissin-Kaserne („Baufeld A“). Dort sind 690 Plätze in sieben dreistöckigen Festbauten mit Wohnungen und Verwaltungsräumen vorgesehen. Die Baufläche liegt unmittelbar westlich der bereits fast fertiggestellten Unterkunft auf dem sogenannten „Baufeld B“, die aus vier Modulbauten mit 130 Plätzen besteht. Damit werden nach der Fertigstellung alleine in diesen beiden Unterkünften 820 Flüchtlinge untergebracht.

Senat teilte erst vor Kurzem mit, es seien keine weiteren Unterkünfte in Planung

Hinzu kommt, dass bereits mehr als 1000 Flüchtlinge im ehemaligen Max-Bahr-Baumarkt am Rugenbarg und rund 320 in der Turnhalle der Baudissin-Kaserne untergebracht sind. Beide Standorte sind vom Blomkamp nur wenige Gehminuten entfernt. Außerdem gibt es vor Ort noch eine sogenannte Folge-Unterkunft im benachbarten Lise-Meitner-Park mit 900 Plätzen. Diese ist bislang noch nicht bezogen, weil die Wohncontainer, für die die Stadt rund 30 Millionen Euro bezahlt hatte, nicht den deutschen Brandschutzvorschriften entsprechen. Allerdings wird mit dem Bezug der Einrichtung im Lise-Meitner-Park noch im Frühsommer gerechnet.

Die stellvertretende CDU-Fraktionschefin und Blankeneser Bürgerschaftsabgeordnete Karin Prien zeigt sich über diese neue Entwicklung in Osdorf irritiert. Schließlich hatte der Senat in einer Antwort auf eine Anfrage der Politikerin kürzlich noch mitgeteilt, dass vor Ort „derzeit keine weiteren Unterkünfte in Planung“ seien.

„Auch auf der Informationsveranstaltung des Senats am 29. März war keine Rede von einer weiteren Unterkunft in unmittelbarer Nachbarschaft der Baudissin-Kaserne“, sagt Prien. In der Drucksache tauche die Fläche Blomkamp/Grubenstieg nun plötzlich in der Liste derjenigen Standorte auf, für die im Bezirk noch keine Baugenehmigung erteilt worden seien.

Prien ist verärgert und stellte eine neue Anfrage an den Senat. Unter anderem verlangt sie darüber Auskunft, warum die Osdorfer Bürger bei der Informationsveranstaltung des rot-grünen Senats über diese Planung im Unklaren gelassen worden seien.

Stadt prüft, ob der Mietvertrag für den ehemaligen Baumarkt verlängert wird

Nach den Worten von Prien gilt das Stadtviertel in Teilen bereits jetzt als sozialer Brennpunkt. Das sei bei der Planung nicht berücksichtigt worden. Daher fragt Prien, ob der Senat der Auffassung sei, dass „eine solche Ballung von Unterkünften auf so geringer Fläche der Stadtentwicklung im Stadtteil Osdorf, der mit dem Osdorfer Born eine erhebliche soziale Vorbelastung hat, förderlich“ sei. Prien: „Die Anwohner treibt die Frage um, wie die Inte­gration gelingen soll.“

Wie der rot-grüne Senat auf Nachfrage mitteilt, ist die Nutzung der Flüchtlingsunterkünfte am Rugenbarg und in der Sporthalle des Kasernengeländes zwar befristet. Allerdings werde derzeit geprüft, den Vertrag mit dem Vermieter des ehemaligen Baumarkts um weitere zwölf Monate bis Ende September kommenden Jahres zu verlängern. Zudem ist ein Ende der Unterbringung auf dem Gelände der Baudissin-Kaserne nicht in Sicht.