Meinung
Kommentar

Flüchtlinge: Osdorf ist nicht Blankenese

Wer Flüchtlinge integrieren will, muss sie gerecht verteilen

Die Blankeneser Bürger müssen zunächst hinnehmen, dass auch in ihrem Stadtteil Flüchtlinge untergebracht werden. Das Oberverwaltungsgericht hat den vorläufigen Baustopp für die Errichtung von neun Pavillons im Björnsonweg mit Platz für 192 Schutzsuchende aufgehoben. Die Entscheidung der Richter muss all diejenigen mit Genugtuung erfüllen, die daran glauben, dass Flüchtlinge wenn irgend möglich gleichmäßig über die Stadt verteilt werden sollten – um ihre Inte­gration zu erleichtern und, ja, um die Belastung für die Anwohner in Grenzen zu halten. Ebendies schreiben sich ja bekanntlich auch die zahlreichen Initiativen auf die Fahnen, die die Zahl der Flüchtlinge in den einzelnen Stadtteilen begrenzen wollen.

Weniger stark ist die Lobby der Anwohner offenbar in Osdorf, gleich um die Ecke von Blankenese. Dort geht es allerdings nicht um die Ansiedlung von 192 Flüchtlingen, sondern um 700 Menschen, die zusätzlich zu den bereits geplanten Unterkünften für 800 Zuwanderer im Stadtteil untergebracht werden sollen. Im weiteren Umfeld könnten nördlich der Osdorfer Landstraße demnächst rund 4000 Flüchtlinge leben. Doch der große Aufschrei ist, anders als in Blankenese, hier bisher ausgeblieben.

Nun ist Blankenese nicht allein ein Stadtteil von Superreichen, ebenso wenig wie in Osdorf nur Menschen am Rande der Gesellschaft leben. Auch jenseits platter Sozialklischees lässt sich aber nicht darüber hinwegsehen, dass die soziale Belastung zumindest in der Großsiedlung Osdorfer Born deutlich größer ist als im beschaulichen Elbdorf. Diesen Menschen zusätzlich Tausende von Flüchtlingen zuzumuten, nur weil sie kaum Widerstand organisieren, in Blankenese aber zurückzustecken, wäre absurd. Vielleicht lenken die betreffenden (wenigen) Blankeneser angesichts der öffentlichen Empörung ja ein. Wenn nicht, muss der Senat das Flüchtlingsheim – wie an der Sophienterrasse – weiter gerichtlich durchsetzen.

Wer es ernst meint mit der Integration der Zuwanderer, muss für ihre gerechte Verteilung eintreten. Selbst wenn sie am Ende vor der eigenen Tür wohnen.