Hamburg

Fischmarkt: Keine Öffnung in Sicht – Ende einer Legende?

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Damals war die Welt noch in Ordnung: Im Mai 2018 schlendern Besucher über den Fischmarkt.

Damals war die Welt noch in Ordnung: Im Mai 2018 schlendern Besucher über den Fischmarkt.

Foto: picture alliance

Die Hamburger Touristenattraktion muss über den 30. Juni hinaus pausieren. Marktbeschicker kritisieren die Politik.

Hamburg. Der Altonaer Fischmarkt blickt auf eine Tradition von mehr als 300 Jahren zurück – und steht nun vor einer ungewissen Zukunft. Offiziell ist die Touristenattraktion, die vor Corona jeden Sonntag rund 70.000 Menschen an die Elbe lockte, bis Ende Juni wegen des Coronavirus geschlossen. Aber dabei wird es nicht bleiben. Eine rasche Wiedereröffnung, das verdeutlichte nun die Sitzung des Klima- und Umweltausschusses im Bezirk Altona, ist unwahrscheinlich bis unmöglich.

Erst Ende Juni werden sich die Beteiligten der Fachbehörde, des Schaustellerverbandes und des Verbraucherschutzamtes überhaupt zusammensetzen, um „ergebnisoffen“ an einer Lösung zu arbeiten. Selbst bei einem positiven Ergebnis wären dann zwei weitere Wochen nötig, um den Markt neu zu starten.

Von einer Rückkehr zum traditionsreichen Fischmarkt ist aber in der Behörde keine Rede. „Es geht um einen reduzierten Fischmarkt“, sagt Sabine Nolte, die kommissarische Pressesprecherin des Bezirks. „Wie dieser aussehen wird, kann derzeit keiner sagen.“ Gleich mehrere Herausforderungen gelte es zu managen. „Wir sind an einer Lösung inter­essiert, die das Infektionsgeschehen und die Verordnungen berücksichtigt.“

Infektionsrisiko durch das traditionelle laute Ausrufen der Waren

Genau hier aber sehen viele Probleme: So fürchtet man Angetrunkene, die den Fischmarkt frühmorgens besuchen, ebenso wie ein Infektionsrisiko durch das traditionelle laute Ausrufen der Waren. Marktbeschicker wie Rainer Raeder kritisieren die Politik. „Es ist eine Kata­strophe! Unsere Vorschläge etwa eines halb so großen Marktes mit wöchentlichem Wechsel der Händler werden gar nicht aufgenommen.“ Bezirksamtsleiterin Stefanie von Berg (Grüne) sagte dem Abendblatt: „Auch mir blutet das Herz. Aber wir müssen auf Sicht fahren. Wenn das Infektionsgeschehen Öffnungen zulässt, werden wir mehr wagen.“

Dabei war es Mitte März nur eine kleine Meldung, die im wachsenden Corona-Panikmodus fast unterging. Erstmals seit 1703, so hieß es da, müsse der Fischmarkt in Altona abgesagt werden. Was damals wie eine vorübergehende Selbstverständlichkeit aussah, weitet sich längst zu einem Dauerzustand aus, der die Tradition des Fischmarktes nun in ihren Grundfesten bedroht. Noch ist nicht einmal absehbar, wann und wie ein Neustart erfolgen kann. Und der Eifer und die Bereitschaft der Politik, Stellung zu nehmen, hält sich in Grenzen.

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