Hamburg-Rissen

Der Kampf um das Wildgehege Klövensteen

Junge Frauen führen im Hamburger Klövensteen ihre Pferde durch den Wald

Junge Frauen führen im Hamburger Klövensteen ihre Pferde durch den Wald

Foto: dpa Picture-Alliance / Maurizio Gambarini / picture-alliance/ dpa

Die einen wollen den Klövensteen „fit für die Zukunft“ machen und zum Zoo umbauen, die anderen wollen ihn nur in Ordnung bringen.

Hamburg.  Nach dem Eklat um den Ausbau des Wildgeheges Klövensteen liegen die Nerven im Hamburger Westen blank. Es hagelt gegenseitige Schuldzuweisungen, die Stimmung ist schlecht wie nie.

Wie berichtet, hat die Initiative „Klövensteensollleben – stoppt den Masterplan für einen Wildtierzoo“ am vergangenen Mittwoch ein Bürgerbegehren gegen das Großprojekt eingereicht. Von nun an haben also die Bewohner im Hamburger Bezirk Altona die Möglichkeit, ihre Stimme für oder gegen den Masterplan abzugeben.

Bürgerbegehren wird als „Affront“ verstanden

Mit diesem Schritt ist das Tischtuch zwischen Befürwortern und Gegnern des Projekts endgültig zerschnitten. Vertreter des Bezirksamts Hamburg Altona und des Fördervereins Klövensteen (beide sind für den Masterplan) erklärten jetzt, an den Gesprächen einer laufenden Arbeitsgruppe (AG) zum Thema nicht mehr teilzunehmen. In der AG hatten bislang alle in das Projekt involvierten Gruppen versucht, ein gemeinsames Positionspapier zu erarbeiten.

Jens Sturzenbecher, Vorstand des Fördervereins Klövensteen, bezeichnet das Vorgehen der Initiative als Affront. „Mit einer Vielzahl von unrichtigen Behauptungen und einem deutlich zu erkennenden Unwissen zur pädagogischen Ausrichtung der Waldschule, ist die Initiative (...) aktiv“, wettert er jetzt. Laut Sturzenbecher vertreten die Sprecher der Initiative als Anwohner „Partikularinteressen“. Und weiter: „Eine vom Bezirk vorbereitete Bürgerbeteiligung wurde nicht einmal abgewartet.“ Der Rissener Bürgerverein hatte, wie berichtet, die Treffen der AG moderierend begleitet. Der Bürgervereinsvorsitzende Claus Scheide teilte jetzt mit: „Wir sehen keine Grundlage mehr für vertrauensvolle Gespräche zwischen den Beteiligten und stellen unsere Aktivitäten ein.“

In sechs Monaten 6000 Unterschriften sammeln

Während einer Pressekonferenz am Mittwoch auf dem Hansenhof in Rissen hatte „Klöven­steensollleben“ mit ihrem Sprecher Thure Zimmermann (l.) und Frank Wieding vom Tierschutzverein die Öffentlichkeit darüber informiert, dass sie am selben Tag das Bürgerbegehren angemeldet habe.

Die Bezirksverwaltung muss nun prüfen, ob das Anliegen rechtens ist. Sechs Monate hat die Initiative Zeit, die rund 6000 benötigten Unterschriften von in Altona lebenden Wahlberechtigten zusammenzubekommen. Erreichen sie ein Drittel der Stimmen, tritt bereits eine Sperrwirkung ein. Sprich: Politik und Bezirk wären die Hände gebunden, weitere diesbezügliche Planungen dürften nicht vorangetrieben werden.

Umfänglicher Umbau bis 2030 angedacht

Dabei gibt es derzeit ohnehin gar keine konkreten Bauvorhaben. Der von einem Erlebnisarchitekturbüro erstellte Masterplan, den der Förderverein des Wildgeheges Klövensteen finanziert hatte, macht eine mögliche Per­spektive bis 2030 auf. Wie berichtet, geht es den Machern darum, das Gehege im Besitz der Stadt fit für die Zukunft zu machen. Laut Plan könnte das durch den Umbau des Geheges hin zu einem Naturwildpark mit Wolfswald, Sinnesgarten, zahlreichen Beobachtungszonen und Erlebniswelten sowie einem Waldcampus gelingen. Die Anlage soll weiterhin kostenlos für die Besucher sein, weitere benötigte Einnahmen sollen durch die Einführung von Parkgebühren sowie kostenpflichtige Zusatzangebote und den Verkauf von Forstprodukten wie Wildfleisch und Bäumen erwirtschaftet werden.

Obwohl in naher Zukunft keine Bagger rollen sollen und der Masterplan gerade erst öffentlich vorgestellt wurde, möchten ihn die Initiatoren des Bürgerbegehrens bereits endgültig begraben. Warum? „Wir halten die im Masterplan aufgezeigten Eingriffe für völlig überdimensioniert“, erklärt Thure Timmermann als Sprecher von „Klövensteensollleben“. „Wir setzen uns dafür ein, dass das Wildgehege erhalten bleibt und nachhaltig saniert wird.“

Auf gleicher Fläche sollen 49 Tierarten dazukommen

Auch der Hamburger Tierschutzverein hat sich den Protestlern angeschlossen. Neben Timmermann und Barbara Meyer-Ohlendorf, die auch Nabu-Mitglied ist, tritt Frank Wieding als dritte benötigte Vertrauensperson für das Begehren auf. Der Hamburger Tierschutzverein hat sich frühzeitig nach Veröffentlichung des Masterplans dagegen ausgesprochen. Aus Sicht des Vereins ist am Masterplan besonders die angestrebte Anhebung der gezeigten Tierarten von zehn auf 59 extrem bedenklich. „Wie soll bei gleicher Fläche eine artgerechte Haltung möglich sein?“, fragt Wieding. „Mit Tierschutz hat das nichts zu tun.“

Warum die Initiatoren gerade jetzt ihr Begehren einreichten trotz der laufenden Gespräche? Laut den Initiatoren traue man den Zusicherungen von Politik und Verwaltung nicht mehr. Nachdem zwei Jahre lang der Masterplan ohne Einbeziehen der Anwohner und örtlicher Gruppen erarbeitet worden sei und der Masterplan immer wieder, trotz anders lautender Absprachen, Grundlage für Gespräche war, wollten die Kritiker nun „ein Zeichen setzen“. Am Wochenende startet die Unterschriftensammlung.