Neue Mitte Altona

Sportbund will Bewegungsraum für 5000 neue Bewohner schaffen

Blick auf die Baustelle der Neuen Mitte Altona

Blick auf die Baustelle der Neuen Mitte Altona

Foto: Michael Rauhe / HA

Konzept für Mitte Altona/Diebsteich beinhaltet ein Reha-Zentrum und ein neues Stadion. Der Vorstoß könnte allerdings zu spät kommen.

Hamburg.  Seit dem „Sündenfall“ HafenCity kämpft der Hamburger Sport in neuen Wohnquartieren um seinen Platz. In dem Viertel an der Elbe gibt es aufgrund der Amortisation hoher Erschließungskosten nämlich bis heute keinen wettkampftauglichen Fußballplatz, weil fast jeder Quadratmeter gewinnbringend bebaut wurde.

In der Neuen Mitte Altona soll sich das nicht wiederholen. Der Architekt Bernard Kössler (53), stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Hamburger Sportbundes (HSB), hat jetzt auf 24 Seiten ein detailliertes Sportraumkonzept für Hamburgs derzeit zweitgrößtes Stadtentwicklungsprojekt vorgelegt, bei dem der Fernbahnhof Altona bis 2025 an den Diebsteich umziehen soll. Kösslers Pläne möchten sicherstellen, dass auch die erwarteten 14.000 neuen Bewohner genug Möglichkeiten zum Sporttreiben erhalten.

Das Sportraumkonzept in der Übersicht

Sein in Abstimmung mit Behörden und dem Bezirk Altona entwickeltes Papier, das den Bedarf für 5000 potenzielle neue Sportler hochrechnete, könnte zur Blaupause der Stadtentwicklung werden. Altonas Bezirksamtsleiterin Liane Melzer unterstützt den Vorstoß: „Der Sport muss integraler Bestandteil der Bebauungsplanung sein. Wir wissen um andere Begehrlichkeiten, daher ist es wichtig, gleich am Anfang zu sagen: Hier haben wir Sportflächen, und die brauchen wir auch.“

Herzstück des Konzepts ist das Sportscommunitycenter, das westlich der Harkortstraße entstehen soll. Es umfasst Spielfelder für Fußball und Basketball, ein Stadtteil-, Gesundheits- und Rehabilitationssportzentrum, dazu ein Lehrschwimmbecken. Hinzu kämen Einrichtungen der angrenzenden Stadtteilschule Altona mit einer Einfeldhalle und drei Bewegungsräumen. Auch die Grünflächen rund um die Schule ließen sich für den Sport nutzen. Für das Holstenquartier zwischen Harkort- und Haubachstraße wird der Bau einer wettkampftauglichen Dreifeldhalle vorgeschlagen, bisher plant die Schulbehörde mit zwei Feldern. Eine Bewegungs-Kita oder Fitnessräume ließen sich ankoppeln.

Sportpark Diebsteich neues Heim für Altona 93?

Während diese Sportflächen nur als Entwurf existieren, sind sie im geplanten Sportpark Diebsteich weitgehend vorhanden. Sie gelte es, sagt Kössler, zu erhalten und auszubauen, um dem erwarteten Bevölkerungszuwachs gerecht zu werden. Hier schlägt der HSB vor, den früheren Dr.-Hermann-Schnell-Sportplatz an der Memellandallee zu einem regionalligatauglichen Fußballstadion mit Kunstrasen und Platz für 4000 Zuschauer auszubauen. Hauptnutzer wäre der Altona 93.

Der Verein würde dafür sein Stadion an der Griegstraße aufgeben. Angrenzend sollen entlang der Memellandallee eine Tennishalle, ein Sportzentrum mit Halle und Schwimmbereich gebaut werden. Teil des Komplexes sind auch die Anlage des SC Union 03 an der Waidmannstraße sowie der Lunapark (Blau-Weiß Ellas). Neun Vereine wollen die Flächen nutzen: Inter Hamburg, Union 03, Ellas, Altonaer Turnverband, Altona 93, Eimsbütteler Turnverband, Gehörlosen Sportverein, FC Hamburger Berg und HFC Falke.

Kösslers Initiative könnte allerdings zu spät kommen. Ein Eingreifen in den Bauprozess der Mitte Altona I sei nicht mehr möglich, schreibt er selbst auf Seite 10, während im „hochpreisigen Entwicklungsgebiet“ der ehemaligen Holstenbrauerei eine Mitfinanzierung sozialer Einrichtungen „im Einklang mit den renditeorientierten Investmentgesellschaften schwierig umsetzbar“ sei. Hier könne eine konzeptionelle Sportraumplanung „nur noch reagieren“. Die federführende Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen hat den Entwurf zwar zur Kenntnis genommen, über eine mögliche Umsetzung aber bislang nicht entschieden.

Es gibt auch Kritik. „Das ganze Konzept ist viel zu klein gedacht. Der HSB war wieder mal zu hasenfüßig. Der Sport braucht mehr Flächen, um den Bewegungsbedarf auch in 20 Jahren bedienen zu können. Zum Nachbessern wird es später aber keinen Platz geben“, sagt Sven Hielscher, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion in der Bezirksversammlung Altona.