Desy

80 Millionen Euro für Forschung mit Röntgenlicht

Eine der neuen Hallen auf dem Desy-Areal trägt seit Mittwoch den Namen der Nobelpreisträgerin Ada Yonath

Eine der neuen Hallen auf dem Desy-Areal trägt seit Mittwoch den Namen der Nobelpreisträgerin Ada Yonath

Foto: HA

Bürgermeister Scholz weiht neue Forschungshallen auf dem Desy-Areal ein. Die israelische Nobelpreisträgerin Ada Yonath wurde geehrt.

Hamburg. Petra III: Hinter diesem Namen verbirgt sich eine Erfolgsgeschichte, die am Mittwoch weitergeschrieben wurde. Denn unter dem Beifall hunderter geladener internationaler Gäste wurden die beiden neuen Experimentierhallen für Petra III auf dem Desy-Forschungsareal in Bahrenfeld eingeweiht. Damit stehen nun deutlich mehr Messplätze für Wissenschaftler zur Verfügung, die das brillante Röntgenlicht des Bahrenfelder Teilchenbeschleunigers für ihre Experimente verwenden möchten.

Etwa 2000 Wissenschaftler nutzen bislang jedes Jahr die Möglichkeiten von Petra III, um beispielsweise Mittel gegen resistente Krankenhauskeime zu entwickeln, um den Bedingungen im Mittelpunkt der Erde nachzuspüren oder um das Geheimnis des weißen Flecks auf dem Gemälde von Edward Munchs "Der Schrei" zu lüften. Dreimal so viele Wissenschaftler hätten den Hamburger Teilchenbeschleuniger ebenfalls gern genutzt.

80 Millionen Euro seit 2013 investiert

80 Millionen Euro wurden nun in die Erweiterung ab 2013 investiert, um diesem großen Bedarf nachzukommen und um die experimentellen Möglichkeiten zu erweitern. Dass das Geld gut anlegt ist, davon ist auch Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz überzeugt. Der Ehrengast sagte anlässlich der Eröffnung: "Hamburg schätzt sich glücklich, den hohen Erwartungen an unseren Forschungsstandort auf diese Weise gerecht werden zu können. Petra III bleibt die brillanteste Röntgenquelle der Welt und ist neben der ESRF in Frankreich bis auf Weiteres die einzige Synchronlichtquelle für hochenergetische Röntgenstrahlung in Europa."

Allein 57 Millionen Euro kommen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. "Bei DESY findet Grundlagenforschung auf höchstem Niveau und in internationaler Kooperation statt", sagte Staatssekretär Georg Schütte. "Aus Sicht des Bundesministeriums ist das eine wichtige Investition in die Zukunft." Zudem beteiligten sich Schweden, Russland und Indien an der Finanzierung.

Forschungshallen tragen große Namen

Ein guter Beweis dafür, was hinter den Desy-Toren auf dem Forschungsareal alles geschaffen wird, ist Ada Yonath. Die israelische Strukturbiologin erhielt 2009 den Nobelpreis für ihre Arbeit. Sie entwickelte ein Verfahren zur Kristallisation von Ribosomen, den "Eiweißfabriken" lebender Zellen, und konnte so den Wirkmechanismus von mehr als 20 Antibiotika aufklären. Ihr zu Ehren wurde am Mittwoch eine der Hallen nach ihr benannt. Die sympathische und eher schüchterne Yonath war vor Ort. Neu war ihr das Forschungsareal nicht. Denn wichtige Teile ihrer Forschungsergebnisse, die ihr am Ende den Nobelpreis brachten, hatte sie bei Desy erarbeitet. Die zweite Halle wurde nach dem Grundlagenforscher Paul Peter Edwald benannt. Dessen gerührter Enkel John-Paul Davidson bedankte sich im Namen seines verstorbenen Großvaters für die Ehre.

Bürgermeister Scholz verknüpfte an die Namen die Hoffnung, dass sie weitere Wissenschaftsgenerationen inspirieren werden.