Wohnungsbau

Stadtentwickler sieht in Hamburg Potenzial zur Verdichtung

Dieter Läpple ist
Professor für
Stadtplanung

Dieter Läpple ist Professor für Stadtplanung

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Engerer Wohnungsbau solle aber nicht dem Markt überlassen werden, meint Professor Dieter Läpple. Ausnahmen Eimsbüttel und Ottensen.

Hamburg.  Hamburg kann noch dichtere Wohnbebauung vertragen. Allerdings nicht in den ohnehin engen Vierteln wie Ottensen oder Eimsbüttel, sagt Dieter Läpple von der HafenCity Universität. Anders als Metropolen wie London oder Berlin hätten die Menschen in Hamburg viel mehr Quadratmeter zur Verfügung. Es gibt also noch Spielraum.

So leben in München 49 Bürger auf einem Hektar, in Berlin sind es 39 und in Hamburg gerade mal 23. „In London – ja auch eine lebenswerte Stadt – sind es rund 50 und in Paris 200 Menschen pro Hektar“, sagt der Stadtforscher. Vor diesem Hintergrund sei es verständlich, dass Nachverdichtung, also die Aufstockung von Gebäuden, die Füllung von Baulücken und Bau auf freien Plätzen, einer der wichtigsten Bausteine für den Wohnungsneubau ist. Läpple: „Hamburg könnte durch eine kluge Nachverdichtung an urbaner Qualität, zum Beispiel bei der Nahversorgung durch Einzelhandel oder sozialer Infrastruktur, gewinnen.“

Allerdings: Es fehle in den Städten an geeignetem Bauland. „Die regulatorischen Hürden sind in allen Bereichen gestiegen und erschweren das Schaffen von Baurecht und den Bauprozess.“ Bisher, kritisiert der Stadtforscher, entstünden vor allem Wohnungen im hochpreisigen Segment der Luxuswohnungen. Leidtragende der extrem steigenden Mieten seien Geringverdiener, aber auch die klassische Mittelschicht – sie würden zunehmend aus attraktiven Stadtteilen verdrängt.

Daher fordert Läpple, den Stadtumbau eben nicht dem Markt zu überlassen. „Für die Investoren ist es am attraktivsten, dorthin zu gehen, wo bereits hohe Dichten sind, wo also in der Regel schon hohe Mieten gezahlt werden. Sie gehen also nach Eimsbüttel und Ottensen.“ Dann werde Nachverdichtung destruktiv. Stattdessen müssten die Stadt oder die städtische Wohnungsbaugesellschaft den Bau in die Hand nehmen. Auch Genossenschaften könnten gute Partner sein für solche Projekte.

„Nachverdichtung ist sinnvoll, wenn sie nicht dem Markt überlassen wird, sondern Teil einer klugen Planung ist, die die Bewohner einbezieht und ihnen deutlich macht, dass sie durch solche Maßnahmen auch Vorteile haben (also bessere Nahversorgung durch höhere Dichte). Nur zusammen mit den Bewohnern kann diese Strategie zum Erfolg werden“, so Läpple.

Hamburg brauche Modelle, bei den es nicht nur um Wohnen, sondern auch um eine Verknüpfung von Wohnen und Arbeiten und die Entwicklung derartig gemischter Quartiere gehen sollte, so Läpple.