Nienstedten

Wildpflanzen: So gut schmeckt die Natur!

Unterwegs beim Wildkräuterrundgang mit den Kräuterhexen Katharina Henne und Lore Otto im Jenischpark

Unterwegs beim Wildkräuterrundgang mit den Kräuterhexen Katharina Henne und Lore Otto im Jenischpark

Foto: Marcelo Hernandez

Bei einer Führung mit Kräuterexpertinnen können Teilnehmer lernen, welche Wildpflanzen man essen kann und wofür man sie benutzt.

Nienstedten.  Fehlen noch Zutaten für den Salat? Die ließen sich schnell bei einem Spaziergang durch den Jenischpark oder durch den Stadtpark zusammensuchen. Jetzt im Frühjahr sind Wildkräuter noch zart und schmecken superlecker, sagen jedenfalls Katharina Henne und Lore Otto. Die beiden kennen sich aus mit Kräutern und bestimmen bei Führungen durch Hamburger Parks Pflanzen, sagen, welche man essen kann und welche giftig sind.

„Wo heute grüne Wiesen sind, wurden früher Kartoffeln und Rüben angebaut“, sagt Katharina Henne bei der Tour durch den Jenischpark. Der Park war als Landschaftspark mit Landwirtschaft angelegt worden. Statt Rüben und Kartoffeln gibt es zum Beispiel das gelb blühende Scharbockskraut gleich hinter dem Jenischhaus. Dort blühen zur Zeit Scharbockskraut, Gänseblümchen und Löwenzahn. Man könnte in die Wiese reinbeißen, die Pflanzen sind essbar: „Von Scharbockskraut und
Gänseblümchen darf man die Blüten essen. Meist verwenden wir sie als Deko für einen Wildkräutersalat“, sagt Lore Otto.

Als Biologin und Umweltpädagogin bietet die 50-Jährige mit Kollegin Katharina Henne Kräuterführungen und Kochkurse an, bei denen sie Pflanzen vom Wegesrand verwenden. Natürlich müsse man in einer Großstadt darauf achten, wo man die Kräuter pflückt. Man sollte natürlich die Gänseblümchen für den Salat nicht direkt auf der Hundewiese pflücken. Hunde markieren meist an exponierten Stellen mit viel Publikumsverkehr, weniger abseits der Wege. „In Naturschutzgebieten darf man gar keine Pflanzen pflücken, und sonst ernten wir als Naturschützer nur so viel, wie wir wirklich benötigen“, sagt Katharina Henne.

Niemand soll den Tieren etwas wegessen. Denn: Die Larven des Aurorafalters ernähren sich vom Wiesenschaumkraut und von der Knoblauchsrauke. „Wir sollten den tierischen Mitinteressenten Blätter übrig lassen“, sagt Lore Otto.

Weiter geht es durch den Jenischpark zum Löwenzahn, der recht bitter ist, aber mit dem richtigen Orangendressing lecker sei, vorbei am Buschwindröschen (giftig!) zum Giersch (nicht giftig). Zu erkennen ist der Giersch an den drei geteilten Blättern mit sieben Auswüchsen. Die jungen zarten Gierschblätter schmecken ein wenig nach Karotte. Probieren erlaubt! Gerade jetzt schmecken die Wildkräuter weniger bitter. Im Laufe des Jahres werden sie zäh und bald ungenießbar, wenn die Pflanzen Abwehrstoffe bilden, um ihre Fressfeinde abzuhalten. Jetzt sind sie noch wehrlos.

Unter der Knüppelbrücke hindurch finden sich ein Stück weiter Knoblauchsrauke, Wiesenbärenklau und Mädesüß. Das Mädesüß wird häufig für die Aromatisierung von selbst hergestellten Getränken oder für die Herstellung von Gelees verwendet.

Nach eineinhalb Stunden ist das Körbchen, das die Teilnehmerinnen Josy und Antonella die ganze Zeit stolz getragen haben, voll. Die beiden Kräuterexpertinnen verteilen noch Löwenzahnblütensirup vom vergangenen Jahr und Mandelmus mit Wildkräutern und Brot. So gut schmeckt Natur!