Ottensen

Restaurant IndoChine wird zum Büro umgebaut

Wer im IndoChine tafelt, hat einen freien Blick auf die Elbe und den Hafen

Wer im IndoChine tafelt, hat einen freien Blick auf die Elbe und den Hafen

Foto: picture alliance

Betreiber geben Restaurant im Fischereihafen nach 14 Jahren auf. HafenCity wird zur Konkurrenz für Neumühlen.

Hamburg.  Das IndoChine an der Elbe gehörte einst zu den angesagtesten Adressen in Hamburg. Das Restaurant in einem der Neubauten von Neumühlen erstreckt sich über mehrere Ebenen, und durch die breiten Fensterfronten können die Gäste vorbeiziehende Container- und Kreuzfahrtschiffe sehen. Viele Gourmets schätzen die feine indonesische Küche und die Einrichtung mit Antiquitäten und Buddha-Statuen. Jetzt geht diese gastronomische Ära im Altonaer Fischereihafen nach 14 Jahren schon wieder zu Ende.

Eine Gastrononmie in dieser Größenordnung rechnet sich dort nicht mehr

Das IndoChine und die Bar SáVanh im Erdgeschoss, die eine beliebte Partylocation ist, schließen nach Abendblatt-Informationen am 22. Mai. Das bestätigte einer der Geschäftsführer auf Abendblatt-Anfrage. Zu den Gründen wollte sich der Gastronom nicht äußern, möglicherweise werde es aber einen neuen Standort geben.

Eigentümer der Immobilie ist die Potenberg-Gruppe. Die erste Etage der insgesamt rund 1200 Quadratmeter großen Fläche solle umgebaut und künftig als Büro vermietet werden. Eine Gastronomie in dieser Größenordnung rechne sich an diesem Standort nicht mehr, sagte Potenberg-Geschäftsführer Christian Krause. Das Alleinstellungsmerkmal mit dem Elbblick gebe es nicht mehr, seitdem in der HafenCity am Wasser viel Gastronomie entstanden sei und vor allem die Touristen dort anzutreffen seien, sagte Krause weiter.

Die Fläche im Erdgeschoss mit der großzügigen Terrasse soll laut Krause aber weiterhin als Gastronomiefläche oder auch als Showroom, beispielsweise für den Einzelhandel, vermietet werden. Die Konkurrenz durch die HafenCity wird immer größer, der neue Stadtteil hat sich zu einem Gastronomie-Treffpunkt entwickelt. Das Carls an der Elbphilharmonie war 2008 eines der ersten gehobenen Restaurants, das hier eröffnete. Seit dem Sommer 2012 ist auch das Coast am Großen Grasbrook eine beliebte Adresse für Gourmets. An den Elbarkaden eröffnete Tobias Strauch sein Restaurant Strauchs Falco. Seit wenigen Monaten gibt es am Überseeboulevard das neue 25hours Hotel Altes Hafenamt. In dem denkmalgeschützten Gebäude ist auch das Restaurant Neni mit eingezogen. Wer hier essen möchte, muss Tage im Voraus reservieren. Wie schwierig es dagegen wird, an der Straße Neumühlen am Elbufer große Flächen für Gastronomie zu vermieten, ist auch in der Nachbarschaft des IndoChine zu sehen: Einst hatte Christian Rach im Haus Nummer 17 sein mit einem Michelin-Stern ausgezeichnetes Restaurant Tafelhaus. Damals lief es noch, aber wohl vor allem auch, weil Rach wegen diverser Fernsehformate einem Millionenpublikum bekannt war und deshalb viele Gäste zum Essen kamen.

Nachdem Christian Rach im September 2011 seinen Sterne-Tempel aufgegeben hatte, „um mehr Zeit für Familie und Projekte zu haben“, ging es mit dem einstigen Vorzeigelokal stetig bergab. Zwei Nachfolger scheiterten dort, seit fast drei Jahren wird die Fläche schon nicht mehr als Restaurant genutzt: „Es ist extrem schwierig, einen Gastronomen zu finden, der für diesen Standort ein erfolgversprechendes Konzept hat“, sagte Bernd Hocke, der die Fläche vermarktet, dem Abendblatt. Aber Hocke hat es auch nicht eilig: „Die Location wird häufig für Events genutzt und ist fast jedes Wochenende vermietet. Auch diverse Firmenpräsentationen, zum Beispiel von Autoherstellern, werden hier häufig abgehalten“, sagt er.

Für Hocke steht fest: „Dieser Standort ist etwas abgelegen, und es gibt nicht viele Parkplätze. Das heißt, es müsste hier ein Restaurant eröffnen, das vom Konzept her so außergewöhnlich ist, dass die Gäste nur deshalb hier herkommen.“ Dabei würde natürlich auch ein bekanntes Aushängeschild wie einst Christian Rach helfen, sagte Hocke. Doch Christian Rach wird sicherlich nicht zurückkehren, er verdient immer noch gut im Fernsehgeschäft.

Dass Gastronomie in einer Metro­pole wie Hamburg kein Selbstgänger ist, zeigt sich auch in anderen Wasserlagen: Das Noas am Isekai musste erst im März Insolvenz anmelden (wir berichteten), obwohl die Wasserlage mit einem eigenem Steg und Bootsverleih eigentlich ein Selbstgänger sein müsste. Nun wird auch hier ein Nachfolger gesucht.