Wohnungsmarkt

Neue Mitte Altona: Erste Mieter sollen früher einziehen

Bürgermeister Olaf Scholz (M.) am Mittwoch bei der Grundsteinlegung für das Wohnquartier Neue Mitte Altona. Bauunternehmer Carsten Sellschopf (r.) moderiert

Bürgermeister Olaf Scholz (M.) am Mittwoch bei der Grundsteinlegung für das Wohnquartier Neue Mitte Altona. Bauunternehmer Carsten Sellschopf (r.) moderiert

Foto: Lukas Schulze / dpa

Scholz legt Grundstein für das Viertel mit 3500 Wohnungen. Bürgermeister schwärmt von "kinderfreundlichem und bezahlbarem" Stadtteil.

Hamburg.  Mit zwei beherzten Mauerkellen-Schwüngen hat Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) am Mittwoch den Grundstein für das größte zusammenhängende Bauprojekt der Stadt nach der HafenCity gelegt: die Neue Mitte Altona. Dort entstehen in den kommenden Jahren in zwei Bauabschnitten rund 3500 Wohnungen. Geht alles nach Plan, sollen an der Harkort­straße bereits im kommenden Jahr die ersten Bewohner einziehen.

Der erste von zwei Bauabschnitten liegt auf dem Areal der früheren Güterbahn. Auf einer Fläche, die so groß ist wie gut 16 Fußballfelder, werden 1600 Wohnungen entstehen. Dazu kommen eine Stadtteilschule und mehrere Kindertagesstätten, ein Park mit Spielplatz, eine Halle mit Bolzplatz sowie ein kleines Wäldchen. „Das wird ein wunderbares Quartier mit einer guten Architektur“, schwärmt Hamburgs Oberbaudirektor Jörn Walter.

Auch der Wahl-Altonaer Olaf Scholz kann dem Standort viel abgewinnen. „Für mich persönlich ist das etwas ganz Besonderes. Ich wohne nicht weit weg von hier. Das ist eine Gegend, die ich sehr gut kenne. All denen, die hierherziehen und nicht aus Altona sind, kann ich sagen, dass das hier eine tolle Sache ist, das ist eine großartige Nachbarschaft.“ Es sei „die einmalige Gelegenheit, einen Stadtteil so zu bauen, wie wir ihn uns für die Zukunft vorstellen: urban und grün, kinderfreundlich und bezahlbar, ökologisch, barrierefrei und, was uns sehr wichtig ist, sozial gemischt“, so Scholz.

Seit neun Jahren wird an der Neuen Mitte Altona geplant

Seit 2007 ist an dem Projekt gearbeitet worden. Vor zwei Jahren wurden die Verträge mit den Unternehmen geschlossen, 2015 die Baugenehmigungen erteilt. Das Besondere an diesem neuen Stadtteil: Von Anfang an erfolgte die Vergabe der Bauprojekte mithilfe einer sogenannten Konzeptvergabe. Das bedeutet: Wer dort bauen will, darf höchstens ein Drittel Eigentumswohnungen errichten. Ein zweites Drittel muss frei finanzierter Wohnungsbau sein. Ein Drittel wiederum muss aus Sozialwohnungen bestehen.

Durch den Drittelmix soll eine gesunde Mischung des künftigen Quartiers gesichert werden. Auf diese Weise solle das Ziel erreicht werden, „ausreichend Wohnraum für alle Hamburger bereitzustellen, unabhängig davon, ob sie sich eine Eigentumswohnung kaufen können oder den Mindestlohn von monatlich etwa 1470 Euro verdienen“, sagte Scholz.

Besonders berücksichtigt wurden Baugemeinschaften von Bürgern, die Wohnraum zur Selbstnutzung schaffen wollen. 20 Prozent der Grundstücke sind dafür reserviert worden. Dabei ging es hauptsächlich darum, das Zusammenleben von Alt und Jung zu ermöglichen sowie Menschen mit Behinderung zu integrieren. Aus diesem Grund werden diese Wohnungen barrierefrei oder zumindest barrierearm gestaltet.

Voraussetzung für dieses Großprojekt ist die Verlagerung des Fernbahnhofs Altona nach Diebsteich. Dadurch werden bis zum Jahr 2023 die Gleisanlagen frei, wo mit rund 1900 Wohnungen der zweite Abschnitt der Neuen Mitte Altona gebaut werden soll. Die Stadt hat für 38,8 Millionen Euro das Gelände von der Deutschen Bahn gekauft. Mit dem neuen Bahnhof in Diebsteich kann der Hauptbahnhof entlastet werden, der mit 500.000 Fahrgästen pro Tag der meistfrequentierte Deutschlands ist. Auch die Umsteigemöglichkeiten zwischen S-Bahn und Fernbahn werden sich im neuen Bahnhof deutlich verbessern. Für Altona ist die Verlagerung eines Bahnhofs nichts Neues: Schon Ende des 19. Jahrhunderts wurde der damalige Bahnhof an den heutigen Standort verlegt. Aus dem einstigen Bahnhof wurde das heutige Altonaer Rathaus.

Mit den Baumaßnahmen für den zweiten Bauabschnitt soll 2024 begonnen werden. Allerdings birgt die Sanierung des Bodens ein finanzielles Risiko für die Stadt. Zum einen muss das Gelände nach Weltkriegsbomben abgesucht werden. Zum anderen ist das Ausmaß der Altlasten wie Ruß und Öl durch den jahrzehntelangen Bahnbetrieb im Erdreich noch nicht absehbar.

Diese Aussichten trübten die Stimmung bei der Grundsteinlegung jedoch nicht. „Es gibt allen Grund zur Vorfreude, und das nicht nur für alle, die einmal in die neuen Wohnungen einziehen werden“, sagte Bürgermeister Scholz. „Als Altonaer, der schon seit Jahrzehnten hier lebt, freue ich mich sehr auf das neue, quirlige Quartier nebenan. Das bislang gewachsene Altona und die Mitte Altona werden gut zusammenpassen.“