Rot-Grün

Neue Kampagne soll Radmuffel vom Umsteigen überzeugen

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Andreas Dey
Radfahrpolitik in Hamburg:  Die Radexperten Lars Pochnicht (SPD) und Martin Bill (Grüne)

Radfahrpolitik in Hamburg: Die Radexperten Lars Pochnicht (SPD) und Martin Bill (Grüne)

Foto: Michael Arning

Der Anteil der Fahrradfahrer am Hamburger Verkehr soll verdoppelt werden. Doch es gibt auch Kritik an den Plänen der Regierung.

Hamburg. SPD und Grüne wollen mit einer breiten Kampagne die Akzeptanz des Fahrrads als Verkehrsmittel steigern und die Hamburger für das Radfahren begeistern. In einem am Donnerstag vorgestellten gemeinsamen Antrag, der demnächst von der Bürgerschaft beschlossen werden soll, fordern beide Fraktionen den Senat auf, eine „Kommunikationskampagne“ zu entwickeln.

Hintergrund ist das erklärte Ziel der Koalition, Hamburg zur „Fahrradstadt“ zu entwickeln, in der der Radverkehrsanteil auf rund 25 Prozent verdoppelt wird. Dafür gibt es bereits ein großes Bündel an Maßnahmen wie den Ausbau der Velorouten, Bau und Sanierung von jährlich 50 Kilometer Radwegen oder mehr Bike+Ride-Plätze. Tatsächlich steigt die Zahl der Radler auch spürbar, dennoch begegnen die Senatspläne an vielen Stellen Unverständnis oder sogar Protest. Dort soll die Kampagne ansetzen.

Vorbild ist München, die "Radlhauptstadt"

„Radverkehrsförderung darf sich nicht nur auf bauliche Maßnahmen beschränken“, sagte Martin Bill (Grüne). Man müsse auch für ein fahrradfreundliches Klima sorgen. Dazu gehöre, die Vorzüge von Radfahrstreifen auf den Straßen zu erklären oder die Vorteile für alle Hamburger: „Wird mehr Rad gefahren, haben wir geringere Luftbelastung, mehr Platz auf den Straßen und insgesamt eine höhere Lebensqualität“, sagte Bill. „Mit der Kampagne wollen wir noch mehr Hamburger zum Umsteigen auf das Fahrrad bewegen“, sagte Lars Pochnicht (SPD). „Dass dies gelingen kann, zeigen gute Beispiele aus anderen Städten.“ Als Vorbild gilt dabei München, das sich seit Jahren unter dem Label „Radlhauptstadt“ präsentiert.

Welche Maßnahmen Hamburg ergreifen sollte, wollen die Politiker den Experten überlassen. Auf jeden Fall solle die Kampagne langfristig angelegt sein und möglichst viele Plattformen nutzen – Plakate, Flyer, Internet, Info-Veranstaltungen oder Fahrradflohmärkte seien denkbar, so Bill und Pochnicht. Welche Kosten dafür anfallen könnten, wollten beide nicht abschätzen, aber sie waren sicher: „An der Finanzierung wird es nicht scheitern.“

CDU hat Kritik an den Plänen

Bei der CDU stieß die Ankündigung von SPD und Grünen auf Kritik. „Täglich hagelt es Proteste, weil Rot-Grün Hamburg gegen die Bedenken der Anlieger mit der Brechstange zur Fahrradstadt umkrempeln will“, sagte Dennis Thering, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion. „Dass SPD und Grüne ausgerechnet jetzt die Idee einer Imagekampagne aus der Mottenkiste holen, ist bezeichnend.“ Er habe den Eindruck, dass die Fahrradkampagne „nichts anderes als ein Placebo für die geschundene Parteiseele der Grünen ist“, so Thering. „Durch bessere Umsteigemöglichkeiten zum ÖPNV könnte man die Menschen jedenfalls deutlich besser für den Wechsel aufs Rad begeistern.“

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