Neuer Fernbahnhof Altona

Stadt verschönert Bahnhof Diebsteich und zahlt das auch

SPD-Politiker
Dirk Kienscherf (l.) und Grünen-Fraktionschef
Anjes Tjarks stehen am S-Bahnhof
Diebsteich, der in den neuen Fernbahnhof integriert wird

SPD-Politiker Dirk Kienscherf (l.) und Grünen-Fraktionschef Anjes Tjarks stehen am S-Bahnhof Diebsteich, der in den neuen Fernbahnhof integriert wird

Foto: Michael Rauhe / HA

Bahn wollte nur „Minimallösung“, doch Rot-Grün lässt repräsentatives Empfangsgebäude für den Neubau realisieren. Namensfrage bleibt.

Hamburg.  Der Fernbahnhof Altona wird bald Geschichte sein, 2023 soll ein neuer Bahnhof am Diebsteich den bisherigen Knotenpunkt ersetzen. Die Bauarbeiten sollen Ende 2017 beginnen, zurzeit läuft das Genehmigungsverfahren für das Vorhaben. Die Kosten, die nach Abendblatt-Informationen bei etwa 300 Millionen Euro liegen sollen, übernehmen der Bund und die Bahn. Und diese hatte bislang ein eher bescheidenes Empfangsgebäude geplant, eine „wirtschaftliche und funktionale Lösung“. Doch die rot-grüne Regierungskoalition hat an diesem bedeutenden Standort nun Größeres vor: „Wir brauchen ein repräsentatives und architektonisch anspruchsvolles Bahnhofsgebäude mit einer hohen Aufenthaltsqualität und keine Minimal­lösung“, sagte SPD-Stadtentwicklungsexperte Dirk Kienscherf dem Hamburger Abendblatt.

Auch Grünen-Fraktionschef Anjes Tjarks hat klare Vorstellungen: „Wir wollen, dass sich die Menschen gern im neuen Bahnhof in Diebsteich aufhalten und ihn als neuen Verkehrsknotenpunkt akzeptieren.“ Dafür müsse der neue Fernbahnhof eine attraktive bauliche Gestaltung und Konzeption sowie ein angemessenes räumliches Umfeld erhalten, so Tjarks weiter.

Die Politiker lassen ihren Forderungen jetzt Taten folgen und bringen einen Antrag mit dem Titel „Gute Gestaltung des neuen Fernbahnhofs Altona-Nord“ in die Bürgerschaft ein, der Ende Januar dann beschlossen werden soll. In diesem wird der Senat auf­gefordert, „sich für die Realisierung eines städtebaulich ansprechenden Bahnhofsgebäudes einzusetzen“. Weiter heißt es in dem Antrag: „Dieses schließt neben dem Empfangsgebäude auch eine gleisüberspannende Über­dachung der wesentlichen Bahnsteigbereiche mit ein. Ein Wetterschutz sollte für sämtliche Bahnsteige gewährleistet sein.“ Eine von der Deutschen Bahn zunächst präsentierte Variante, bei der man sich auf offene Bahnsteige beschränken wollte, reiche nicht aus, stellte Anjes Tjarks klar.

Worauf es ankommt, erklärte SPD-Stadtentwicklungsexperte Kienscherf: „Es soll hier ein Gesamtensemble entstehen, das sich durch eine attraktive und ästhetische Architektur auszeichnet. Denn schließlich ist es das Entrée zu dem neuen Fernbahnhof.“ Deshalb müsse es auch einen internationalen Architektenwettbewerb geben, ergänzt Grünen-Fraktionschef Anjes Tjarks. Auch das ist in dem Bürgerschafts­antrag enthalten.

Gastro, Einzelhandel und Reisebedarf

In dem Empfangsgebäude soll es Wartebereiche, Gastronomie und Einzelhandel für den Reisebedarf geben. Dem Antrag von Rot-Grün ist zu entnehmen, dass das Bauvorhaben auch mit einem Hotel oder Büroflächen kombiniert werden könnte. „Wir wollen zudem weitere Bereiche östlich des neuen Bahnhofs mit in die städtebau­liche Entwicklung einbeziehen, sagte Kienscherf. Das Gebiet zwischen Kieler Straße im Osten und dem Holstenkamp im Norden verfüge über ein großes Entwicklungspotenzial. Hier müsse die Stadt zusammen mit den Bürgern, den ansässigen Firmen, der Wohnungswirtschaft sowie den Vereinen eine geordnete städtebauliche Entwicklung zu einem attraktiven Stadtquartier mit Wohnen, Gewerbe, Bildung und Sport vorantreiben, so Kienscherf weiter.

Wie hoch die Kosten am Ende sein werden, steht noch nicht fest. Fest steht allerdings, dass in den bislang geschätzten 300 Millionen Euro für die Realisierung des Fernbahnhofs mit drei Bahnsteigen und sechs Gleisen für den Fernverkehr sowie einem Bahnsteig und zwei Gleisen für die S-Bahn ein aufwendiges Empfangsgebäude nicht einkalkuliert ist. Deshalb soll die Stadt das repräsentative Empfangsgebäude nicht nur entwickeln – sondern auch finanzieren. Dazu gibt es hinter den Kulissen nach Abendblatt-Informationen Gespräche mit der DB, eine Absichtserklärung („Letter of Intent“) soll bereits in Vorbereitung sein.

Wie soll der neue Bahnhof heißen?

Bleibt aber noch die Namensfrage. Nach dem Willen der Bahn AG sollte der neue Fernbahnhof Diebsteich „Bahnhof Altona“ heißen, der heutige Bahnhof Altona könnte in „Altona-Rathaus“ umbenannt werden, hieß es bis vor Kurzem noch aus dem Bezirk. Laut Antrag von Rot-Grün ist die Namensfrage allerdings noch offen: „Hamburg-Altona“ komme für den Standort Diebsteich demnach eher nicht infrage, weil dieser Name nun doch dem alten Standort vorbehalten bleiben soll, an dem auch weiterhin S-Bahn- und Busverkehr abgewickelt werden.

Der neue Fernbahnhof, für den etwa 25 Kilometer Gleise verlegt und 48 Weichen eingebaut werden müssen, ist in den nächsten Jahren eines der größten Verkehrsinfrastrukturvorhaben für die Hansestadt. DB-Sprecher Egbert Meyer-Lovis sagte: „Wir bauen hier einen modernen und leistungsfähigen Fernbahnhof der Zukunft.“ Der Sprecher nennt die Vorteile: „Die Pünktlichkeit wird sich verbessern, weil die Streckenkapazitäten erhöht werden. Für die Reisenden im Fernverkehr wird es kürzere Wege geben, außerdem bestehen bessere Umsteigemöglichkeiten zum Nahverkehr.“

Ein weiterer Vorteil: Durch den Neubau wird im Bereich des Bahnhofs Altona eine Fläche von rund 138.000 Quadratmetern frei, die für den Bau von rund 1900 Wohnungen genutzt werden soll.