Ottensen

Der Bahnhof Altona wird fast ein Jahr später fertig

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Jens Meyer-Odewald
Sie planen den Umbau des Zwischengeschosses im Bahnhof Altona: Michael Dominidiato (l.), Gunnar Papenberg, Andrea Gebbeken

Sie planen den Umbau des Zwischengeschosses im Bahnhof Altona: Michael Dominidiato (l.), Gunnar Papenberg, Andrea Gebbeken

Foto: Klaus Bodig

Untergeschoss sollte bis Mai modernisiert werden. Jetzt könnten die letzten Läden erst im März oder April 2016 eröffnen.

Hamburg. Zuletzt gab es viel Kritik an der Verzögerung des Umbaus, doch nun scheint die Renovierung im Bahnhof Altona zügig voranzugehen. Schon im August sollen fertiggestellte Teilbereiche im Zwischengeschoss für Fußgänger freigegeben werden. Im Oktober folgt die Übergabe der ersten sieben neuen Läden an die Vermieter. Im Januar 2016 sollen dann die restlichen sechs Geschäfte fertig sein.

Ziel ist es, den täglich rund 130.000 Reisenden und Passanten im Frühjahr des kommenden Jahres eine vergrößerte Ebene präsentieren zu können. Insgesamt investieren die Deutsche Bahn und der Bund in die Komplettrenovierung des 5000 Qua­dratmeter großen Areals zehn Millionen Euro. „Nach den begründeten Verzögerungen steht jetzt ein präziser Zeitplan“, sagt Michael Dominidiato, der Leiter des Bahnhofsmanagements der Bahn.

Der Muff aus den 1970er-Jahren soll dann endgültig verschwunden sein. Zuletzt wirkte das stark frequentierte Geschoss zwischen den Fernbahngleisen und der S-Bahn finster, zugig und unfreundlich. Auch wer nicht ein- oder umsteigen musste, suchte Richtung Ottenser Hauptstraße oder Neue Große Bergstraße rasch das Weite. Durch den seit Februar 2014 laufenden Umbau waren die Verhältnisse zuletzt noch schlimmer geworden.

Zu den Mietern gehören ein Supermarkt, eine Bäckerei und ein Asia-Restaurant

Ein Blick hinter die Bauzäune und Holzverkleidungen lässt erahnen, dass sich ein Schandfleck tatsächlich in ein Schmuckstück verwandelt. Ein Teil der anthrazitfarbenen Steinplatten ist bereits verlegt. Und in der kommenden Woche wird die Aluminium-Glasfassade zwischen Laden- und Verkehrsflächen aufgebaut. Alles soll hell und freundlich wirken, im wahrsten Sinn des Wortes einladend.

13 Geschäfte, jeweils zwischen 44 und 300 Quadratmeter groß, sollen Kundschaft anziehen. „Für jeden Shop hatten wir mehrere Bewerber“, sagt Andrea Gebbeken, Leiterin des Regionalbereichs Nord der DB Station & Service AG, zur Reaktion auf die im Vorjahr initiierte öffentliche Ausschreibung. Das Gros der Mietverträge ist unterschrieben. Dazu gehören ein Supermarkt, eine Filiale des Bäckers von Allwörden mit einem Café sowie ein Asia-Restaurant. Auch der frühere Handyshop und das HVV-Kundenbüro mit S-Bahn-Information halten wieder Einzug.

Neu wird das Bistro Kaiserwetter sein, das nach dem Stammsitz in der Innenstadt im Mai an der Ottenser Hauptstraße – 200 Meter vom Altonaer Bahnhof entfernt – bereits seine erste Filiale eröffnete und dann dreimal in der Hansestadt vertreten ist. Nach der Übergabe der ersten Geschäfte an die neuen Mieter im Oktober können diese mit der Einrichtung beginnen und den Betrieb noch vor Weihnachten starten. Die übrigen Läden werden wohl im März oder April 2016 eröffnen. Zusammen stehen dann 1500 Quadratmeter Ladenflächen zur Verfügung, rund ein Drittel mehr als vorher.

„Die Fertigstellung fast aller Baumaßnahmen ist bis Ende dieses Jahres vorgesehen“, heißt es aus der Bahn-Zentrale am Hachmannplatz. Ursprünglich sollten die Arbeiten schon im Mai dieses Jahres abgeschlossen sein. Die Verzögerung von sieben Monaten war von Bezirkspolitikern scharf kritisiert worden. „Diese unendliche Geschichte ist ein Skandal“, hatte Mithat Capar im Namen der SPD-Fraktion in Altona geschimpft. Sein Antrag in der Bezirksversammlung, der die Bahn zu schnellerem Einsatz aufforderte, war im Februar mit großer Mehrheit angenommen worden. „Der Bahnhof ist ein Dauerschreck für die Bürger“, sagte auch Sven Hielscher, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion in Altona. Seine Meinung: „Das örtliche Management der Bahn, mal ein paar Kacheln an die Wand eines der wichtigsten deutschen Bahnhöfe befestigen zu lassen, ist unterirdisch.“

Nach Bahn-Angaben war der gesamte 1979 errichtete Bau durchfeuchtet

Diese Vorwürfe will die Bahn AG nicht auf sich sitzen lassen. Als Grund für den veränderten Zeitplan werden unerwartete Überraschungen während der Bauphase angegeben, die während des laufenden Betriebs umgesetzt wird. So sei das gesamte, 1979 errichtete Zwischengeschoss durchfeuchtet gewesen. Das ganze Ausmaß sei erst bei den Bauarbeiten entdeckt worden. Schadhafte Deckenfugen mussten aufwendig mit Gel abgedichtet werden. Zeitweise wunderten sich Fußgänger über große Plastiktonnen, die das von oben durchsickernde Wasser auffingen. Zwei stehen immer noch dort. Dadurch fielen auch Elektroarbeiten umfangreicher und komplizierter aus. Da die Etage keinen Keller hat, mussten alle Leitungen in der Decke verlegt werden.

„Solche Unwägbarkeiten haben zu Verzögerungen geführt“, bestätigt Bahn-Manager Michael Dominidiato. Jetzt habe man alles im Griff. Bei einem Ortstermin des Abendblatts waren 15 Männer emsig mit dem Trockenbau, der Errichtung der Trennwände sowie Fliesen- und Estricharbeiten beschäftigt. Meist sind 30 Bauarbeiter parallel am Werke. Anfang vergangener Woche hatte die Bahn die Altonaer Parteien zu einer Besichtigung der Fortschritte geladen. Nur die SPD, vor vier Monaten Initiator der Kritik, hatte keinen Vertreter entsandt.

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