Altona

Jugendfußballer aus Russland zu Gast

Russische Amateurfußballer besuchten den Verein Altona 93

Russische Amateurfußballer besuchten den Verein Altona 93

Foto: Michael Rauhe

St. Petersburger Jugendliche besuchen Altona 93. Bei einem Gang durch Hamburg wurde auch mit deutschen Klischees aufgeräumt.

Hamburg. Auf dem Bummel von der Reeperbahn in Richtung Bahrenfeld konnten sie es nicht mehr übersehen. Obdachlose, schmuddelige Höfe, ungepflegte Ecken. „Das habe ich nicht erwartet“, sagte Trainer Alexander Tschelpanow, „ich dachte, in Deutschland ist alles sauber.“ Nicht wirklich. Aus der Nähe betrachtet ist ja manches anders als gedacht. Gerade im Ausland. Knapp eine Woche lang waren 15 Jugendfußballer von Lokomotive St. Petersburg im Alter von 15 und 16 Jahren auf Einladung von Altona 93 in Hamburg. Ein sportlicher Gegenbesuch für die Reise der Altonaer vor einem Jahr in die Stadt an der Newa. Völkerverständigung an der Basis – auf dem Fußballplatz und neben dem Grill. „Sport kennt keine Grenzen“, meint Altonas Ehrenvorsitzender Volker Kuntze-Braack, 79, der mit ideellem und materiellem Engagement zum Gelingen der Reise beigetragen hat.

Zwei Freund­schafts­­spiele gegen die Jugend aus Altona gab es. „Es ging sportlich zur Sache, sie haben sich nichts geschenkt“, erzählt Wladimir Bondarenko, „aber nach dem Spiel haben sich alle bestens verstanden“ – trotz so mancher Sprachbarriere. Ohne Bondarenko ginge wahrscheinlich nichts bei diesem Jugendaustausch. Der deutsch-russische Jugendtrainer ist seit drei Jahren als „Integrationsbeauftragter“ bei Altona ehrenamtlich tätig. Er übersetzt, chauffiert, stellt die Kontakte nach Russland her und organisierte das Training im Leistungszen­trum des Hamburger Fußball-Verbandes in Jenfeld am Montag.

Zu den Hamburger Tagen gehörten auch Hafenrundfahrt, Training, Besuch auf dem Erdbeerhof, Miniaturwunderland. Staunen, schauen, genießen. Knapp 11.000 Euro kostete der Aufenthalt der Reisegruppe. 3000 Euro hat die Senatskanzlei gegeben, etwa 4700 Euro sollen von der Stiftung deutsch-russischer Jugendaustausch kommen. Der Rest kam durch Spenden zusammen. „Es ist so wichtig, dass die Menschen sich kennenlernen“, sagt Pit Goldschmidt, 80, jahrelang Vorstandsmitglied bei Altona, der sich ebenfalls privat stark engagiert hat. „Gerade gegenüber Russland gibt es so viele Vorurteile.“ Umgekehrt aber auch – vorher. „Mein Bild von Deutschland hat sich stark geändert“, gibt der 15 Jahre alte Wladimir Serebrow zu: „Ich dachte die Leute sind hier völlig steif. Aber sie waren alle herzlich, offen und wirkten irgendwie so frei.“