Blankenese

Grundstück in bester Lage verkommt zum Schandfleck

Helmut Wichmann vom Bürgerverein Blankenese vor dem Trümmergrundstück an der Blankeneser Bahnhofstraße

Helmut Wichmann vom Bürgerverein Blankenese vor dem Trümmergrundstück an der Blankeneser Bahnhofstraße

Foto: Klaus Bodig

Der Stadtteil wird zunehmend unattraktiver für den Einzelhandel. Immer mehr Einzelhändler geben auf, darunter auch Mirja du Mont.

Blankenese. Das Objekt des Ärgers ist ein Grundstück in bester Lage, direkt an der Blankeneser Bahnhofstraße. Durch den Boden wuchert das Unkraut, Mauerreste zeugen von der Ruine, überall liegt Müll herum und auch eine alte Toilettenschüssel steht mitten auf dem Areal, das seit nunmehr gut fünf Jahren brachliegt. So lange, dass die Anwohner und Geschäftsleute langsam die Geduld verlieren. Die Situation ist ohnehin angespannt, denn viele Geschäfte haben in den vergangenen Jahren geschlossen und die Leerstände sind unübersehbar – viele Blankeneser fürchten, dass ihr Stadtteil an Attraktivität einbüßt, weil der Branchenmix fehlt.

Der Eigentümer spricht von familiären Gründen für die Nichtbebauung

Das umstrittene Grundstück, das jetzt für Aufregung sorgt, gehört Oliver Quint, einem Blankeneser Geschäftsmann und Eigentümer mehrerer Immobilien im Viertel. Vor Jahren zog in dem strittigen Objekt ein Feinkostgeschäft aus – daraufhin ließ Quint das Gebäude abreißen, um neu zu bauen. Dass es dazu nie kam, habe familiäre Gründe, sagt er. „Leider ist es mir momentan nicht möglich, einen Neubau zu errichten. Es gibt aber nach wie vor die Absicht, dort zu bauen“, hatte er im Abendblatt-Gespräch vor einem Jahr dazu gesagt. Aktuell ist er nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Bei allem Wohlwollen von Betroffenen für die Motive Quints, Helmut Wichmann, stellvertretender Vorsitzender des Blankeneser Bürgervereins, erhebt nun schwere Vorwürfe: „Es ist ein Schandfleck für das wunderbare Blankenese, das auch ein Magnet für Touristen ist. Viele Initiativen versuchen, Blankenese attraktiver zu machen, und dann verkommt dort ein Grundstück seit Jahren, unverständlich. Mir ist eigentlich egal, welche Gründe es gibt, warum dort nichts geschieht, aber dass dort nichts geschieht, ist nicht mehr hinnehmbar.“ Und: Es bestehe langsam die Gefahr, dass sich dort Ungeziefer breit mache. „Das wäre eine Gefahr für die Umgebung. Man sollte mal darüber nachdenken, ob der Bezirk hier tätig werden müsste“, sagt Wichmann. Zumindest müsse das Grundstück gereinigt werden. Man könne dort beispielsweise den Boden begradigen, eine Grünfläche anlegen und Bänke aufstellen, schlägt er vor. Oder: Einen Zaun drumherum als Werbefläche nutzen.

Quartiersmanagerin verhandelt mit Eigentümer

„Es wäre schön, wenn dort etwas geschähe, ich bin mit dem Eigentümer im Gespräch“, sagt Quartiersmanagerin Ina Würdemann zurückhaltend. Seit Oktober 2014 versucht sie, den Standort Blankenese attraktiver zu machen, bei einem Zeitbudget von 17 Stunden pro Woche und den vielen unterschiedlichen Interessen der Geschäftsleute kein leichter Job.

„Das Problem ist, solange von so einer Bauruine keine unmittelbare Gefahr für Bürger ausgeht, gibt es rechtlich offenbar keine Handhabe, den Eigentümer zu zwingen, etwas bei dem Grundstück zu tun“, sagt Mark Böhle, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Blankenese, in der sich Einzelhändler, Dienstleister und Grundeigentümer zusammengetan haben. „Ich kann die Bauverzögerungen nicht nachvollziehen. Eigentum verpflichtet. Unsere Immobilien halten wir in Ordnung“, sagt Böhle, selbst Immobilien-Eigner. „Alle haben doch ein Interesse daran, dass es hier attraktiv aussieht.“

Das sieht auch der Uhrmacher und Juwelier Gunnar Laatzen so, dessen Geschäft schräg gegenüber ist. „Viele Kunden und Geschäftsleute sind enttäuscht, dass das Grundstück so verkommt, es ist traurig“, sagt er.

Der Stadtteil im Westen mit touristischen Attraktionen wie Strand, Leuchttürmen, Treppenviertel und Süllberg und dem Image des Reiche-Leute-Viertels hat als Einzelhandelsstandort seit Längerem Probleme. Der Leerstand ist vor allem in der Blankeneser Bahnhofstraße sichtbar: Dort machte vor mehr als einem Jahr eine Filiale von Butter-Lindner dicht, ein paar Meter weiter schloss eine Schuhkette Ende April eine ihrer Filialen. Weitere Geschäfte, die in Blankenese verschwanden: ein Computergeschäft, ein Modegeschäft, eine Filiale einer Brötchenkette. Prominentester Fall: Mirja du Mont, Model und Ehefrau des Schauspielers Sky du Mont, betrieb eine Boutique in Blankenese, als die Miete erhöht wurde, zog sie aus. „Es ist schade, dass es hier immer weniger individuelle Läden gibt“, sagt sie.

Es ist schwierig, die verschiedenen Interessen unter einen Hut zu bringen

Mittlerweile dominieren Banken, Apotheken und Maklerbüros das Bild im Viertel. „Das ist kein Strukturproblem, sondern das sind alles Einzelschicksale, Läden, die aus unterschiedlichen Gründen schlossen“, betont Böhle von der Interessengemeinschaft. Der Branchenmix sei an gewachsenen Standorten immer schwierig zu realisieren, die Konkurrenz von Einkaufszentren groß. „Es müssen endlich alle Geschäftsleute erkennen, dass sie an einem Strang ziehen und deutlich kompromissbereiter sein müssen.“

Unterdessen sucht Blankeneses Quartiersmanagerin weiter das Gespräch mit den Geschäftsleuten und Dienstleistern, um Aktionen vorzubereiten. Es geht auch darum, den Raum im Stadtteil ansprechender, attraktiver zu gestalten, etwa den Marktplatz. „Wir haben eine Arbeitsgruppe gebildet, aber noch keine konkreten Veranstaltungen geplant“, sagt Ina Würdemann. Man habe als eine Maßnahme wieder eine Weihnachtsbeleuchtung in der Bahnhofstraße im Sinn, aber: „Es ist eine Herausforderung, alle Interessen unter einen Hut zu bringen.“

Ur-Blankeneser Marc Böhle weiß: „Diesen Standort wieder in Schwung zu bringen, ist ein langfristiges Vorhaben. Was über Jahre vernachlässigt wurde, kann man nicht in ein paar Monaten wieder gerade biegen.“