Blankenese

Millionenprojekt: Schöner wohnen im Wasserwerk

Die neue Hausherrin : Eigentümerin Stephanie Siewert vor den Gebäuden des ehemaligen Wasserwerks, die saniert werden sollen

Die neue Hausherrin : Eigentümerin Stephanie Siewert vor den Gebäuden des ehemaligen Wasserwerks, die saniert werden sollen

Foto: Klaus Bodig

Alte Pumpstation am Falkensteiner Ufer verkauft. Eigentümer und künftige Bewohner wollen möglichst viel alte Substanz erhalten.

Blankenese.  Das Grundstück mit Elbblick ist ein Stück hamburgische Geschichte, gilt als Perle auf dem Immobilienmarkt: Das Areal der alten Pumpwerke der Hamburger Wasserwerke am Falkensteiner Ufer in Blankenese – jetzt haben private Investoren das Anwesen von Hamburg Wasser nach Abendblatt-Informationen für mehr als drei Millionen Euro gekauft. Sie wollen die maroden Gebäude bis Ende 2016 restaurieren, es sollen dort neue Wohnungen entstehen, Veranstaltungsräume, beispielsweise für Vorträge, Theateraufführungen, Lesungen, Konzerte, eine Sonntagsmatinee.

„Ich habe mir damit einen Jugendtraum erfüllt, gleichzeitig möchte ich für die Stadt und die Bürger eine historische Stätte wieder herrichten, die auch die Öffentlichkeit vielfältig nutzen kann“, sagt die neue Eigentümerin Stephanie Siewert, 52, die mit ihrem Partner, 52, das Anwesen erwarb.

Vorangegangen war ein kompliziertes Ausschreibungsverfahren: 1858 erbaut, umfasst das Anwesen in der Ausschreibung ursprünglich eine Fläche von 16.764 Quadratmetern, „repräsentiert ein Stück historischer Industriearchitektur und ist ein eindrucksvolles Zeugnis der prosperierenden Stadtgeschichte Mitte des 19. Jahrhunderts“, hieß es einst in der Annonce.

Das Areal besteht aus zwei Flurstücken, die durch die Straße Falkensteiner Ufer voneinander getrennt sind. Dazu gehören das ehemalige Maschinenhaus, das zum Wohngebäude umgebaut wurde und das noch bewohnt ist, ein Einzelhaus, eine Halle, Garagen und weitere Nebengebäude.

Kosten für Umbau und Restaurierung betragen mehrere Millionen Euro

Direkt vor der Tür liegt ein Feuchtbiotop. Es ist aus den Absetzbecken des Pumpwerks für das sedimentreiche Elbwasser entstanden. Zu dem Einzelhaus gehören auch Obstbäume. Besonders eindrucksvoll sind die alten Pumpen, die Werkstatt, die Halle, teils noch mit Werbeplakaten und Warnhinweisen an den Wänden. Erstmals wird auch dort ein Elbabschnitt geöffnet: Die Käufer haben den bisher für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen, rund 7000 Quadratmeter großen Strandabschnitt an die Stadt übertragen, die Flächen wurde für den Verkauf neu vermessen.

Das ganze Objekt steht unter Denkmalschutz, darf nicht abgerissen werden, sechs Wohnungen sind vermietet, dort sollen die Mieter auch weiter wohnen können, so Siewert.

„Wir wollen hier mit unseren Kindern selbst wohnen, aber auch neue Wohnungen schaffen für sieben bis acht Familien. Wir haben schon Anfragen, auch von Freunden und Nachbarn“, sagt Stephanie Siewert. „Wir bauen innerhalb des alten Bestands, und in enger Abstimmung mit Denkmal- und Landschaftsschutzbestimmungen. Wir wollen die unbelebte Ecke wieder zum Leben erwecken.“

Stephanie Siewert lebt in Övelgönne, wuchs einst in einer Unternehmerfamilie auf, auch viele Jahre in Blankenese. „Ich bin oft an der Elbe spazieren gegangen, wir baden auch in der Elbe, deswegen haben wir eine ganz besondere Beziehung zu der Gegend“, sagt sie. Jahrelang arbeitete sie als Investmentbankerin in New York, nebenbei studierte sie Kulturwissenschaften, auch ihr Partner studierte außer BWL Kunstgeschichte, daher auch das Faible der Investoren für die historische Stätte. Ein Kaufangebot gab das Paar in letzter Minute ab, und das kam so: „Wir waren gerade in Andalusien im Urlaub,, als ein Freund uns davon erzählte,, auch, dass die Frist bald ablief.“ So wurde die Dachterrasse des Urlaubsdomizils kurzerhand zum Büro. Sie ließen sich Fotos mailen, telefonierten mit Architekten, Bauexperten. „Am letzten Tag des Fristablaufs steckten sie ihre Bewerbung in den Briefkasten, „sogar mit Fotos von uns, eine Bewerbung mit Herz und aus Leidenschaft.“

Zwei Wochen später bekam das Paar den Zuschlag. Es ist ein Bau-Ensemble, bei dem man noch heute die Geschichte auf Schritt und Tritt erlebt. Das Pumpwerk des 1858/59 erbauten Altonaer Wasserwerks pumpte einst bei Flut Wasser aus der Elbe auf den 92 Meter hohen Baursberg in Blankenese. Dort befindet sich bis heute in einem Park ein Wasserwerk. Schon damals filterten die Blankeneser ihr Trinkwasser in mehreren Stufen mit Sandfiltern. Es gab auch ein Kohlehaus, wo die Kohlen angeliefert wurden, die man zum Betrieb der Maschinen brauchte. „Dort in der Nähe bin ich damals aufgewachsen“, sagt Stephanie Siewert.

Die Hamburger sparten sich dagegen damals eine derart teure Anlage. Das zahlte sich 1892 bitter aus: Während in Hamburg mehr als 8000 Menschen an der Cholera starben, waren die Elbvororte von der Krankheit nicht betroffen. Bis in die 1960er-Jahre war das Pumpwerk in Betrieb, dann wurde die Trinkwassergewinnung umgestellt: Nicht mehr aus Elbwasser, sondern aus Grundwasser wurde das Trinkwasser fortan gewonnen. Heute wird in dem Werk über moderne Leitungen aus drei benachbarten Tiefwasserbrunnen Wasser weiter ins Wasserwerk zum Baursberg geleitet, dort aufbereitet. Das Wasserwerk Baursberg übernimmt jährlich einen Anteil von 4,36 Prozent an der Wasserversorgung der Stadt. 15 weitere Werke sind in Betrieb.

„Alles Historische bleibt erhalten. ´Wir wollen versuchen, die alten, übriggebliebenen Gegenstände mit einzubauen. Beispielsweise eine alte Lok zum Transport der Kohle hierher.“ Auch historische Deckenleuchten und altes Werkzeug gehören dazu. Konkret will das Paar die Pumpenhalle zum Veranstaltungsort für alle ausbauen, der für die Events dann jeweils geöffnet wird, etwa am Tag des Denkmals oder für Konzerte, Lesungen, Ausstellungen. „Wir sind derzeit mit vielen kulturellen Einrichtungen im Gespräch, kennen selbst viele Künstler“, sagt sie. In das Strandhaus am Ufer will das Paar selbst einziehen. Nicht alle der Ideen der Käufer wurden abgesegnet. So scheiterte ihr Vorschlag im Vorfeld, einen Teil des Ufergeländes für Sommerparzellen für Familien herzurichten.

Der Zeitplan ist ehrgeizig: Der Bezirk gründete extra für den umfassenden Bauantrag eine eigene Arbeitsgruppe. Sobald die Details der Planung feststünden, könne der Umbau, die Restaurierung beginnen, so Stephanie Siewert. Bisher gibt es für das Anwesen ein eigenes Strom- und Heiznetz, das muss nun alles neu eingerichtet werden. Die geschätzten Kosten für die aufwendigen Umbau- und Restaurierungsarbeiten betragen noch mal mehrere Millionen Euro. Die Architekten und anderen Unternehmer stehen bei dem ehrgeizigen Großprojekt schon in den Startlöchern. „Wenn alles so klappt, wie wir uns das vorstellen, dann hoffen wir, dass wir Ende kommenden Jahres fertig sind“, sagt Stephanie Siewert und lächelt. „In jedem Fall vor Eröffnung der Elbphilharmonie.“