Altona-Nord

Polizei vermutet Brandstiftung bei Feuerkatastrophe

Bei dem Brand in einem Mehrfamilienhaus an der Eimsbütteler Straße starben eine 33-jährige Mutter und ihre sechs und sieben Jahre alten Söhne. Ermittler des LKA glauben, den Brandherd gefunden zu haben.

Hamburg. Seit den frühen Morgenstunden untersuchen Brandermittler des Landeskriminalamtes, wie es zu dem verheerenden Brand in einem Mehrfamilienhaus an der Eimsbütteler Straße kommen konnte, bei dem eine Mutter und ihre beiden Söhne ums Leben gekommen sind. Mittlerweile sind sich die Beamten sicher: Es war Brandstiftung. Offenbar wurde ein Kinderwagen angezündet, der sich im Treppenhaus befand.

Die Polizei hat eine Sonderkommission gebildet. Wie die Polizei mitteilte, würden sie in alle Richtungen ermitteln, bei der Brandursache geht man von Brandstiftung aus. Ein technischer Defekt wird aber nicht gänzlich ausgeschlossen.

In dem Mehrfamilienhaus sind nach Angaben des Trägers „Fördern und Wohnen“ 46 Menschen, überwiegend Asylbewerber und Flüchtlinge ohne Aufenthaltsstatus, untergebracht. „Fördern und Wohnen“ hat das Haus seit 2010 von einem privaten Eigentümer angemietet, ebenso die Häuser im Hinterhof, so dass es an der Eimsbütteler Straße 129 Plätze für Flüchtlinge gibt. Auch in den Jahren zuvor habe der Bezirk Altona das Haus ebenfalls für die Unterbringung von Flüchtlingen angemietet.

Gegen 20 Uhr soll das Feuer ausgebrochen sein. Beißender Qualm zog durch die Etagen. Bewohner versuchten offenbar, in Panik durch das Treppenhaus zu flüchten. Das war in dieser Situation ein verhängnisvoller Fehler. Sofort drang dichter, dunkler Rauch in ihre Wohnungen ein. Das Feuer habe enorm viel Rauch produziert, sagte Feuerwehrsprecher Martin Schneider. „Der heiße Rauch ist nach oben gestiegen wie in einem Kamin, und oben hat sich die Hitze gestaut.“ Es gebe dort massive Verbrennungen, obwohl da kein Feuer gewesen sei. Der Rauch habe letztlich zum Tode der 33 Jahre alten Frau und ihrer beiden Jungen (sechs und sieben Jahre alt) geführt, sagte Schneider.

Insgesamt 23 Menschen seien verletzt worden, 15 von ihnen kamen ins Krankenhaus. Mittlerweile sind die meisten von ihnen bereits entlassen worden. In dem Haus lebten etwa 46 Menschen. Für die beiden Jungen, die leblos aus dem Haus getragen wurden, konnten die Notärzte nichts mehr tun. Auch die Mutter pakistanischer Herkunft starb. Sie waren von den Beamten schon regungslos in einer Wohnung im obersten Stockwerk entdeckt worden. Ein Sprecher der Feuerwehr sprach von einem der schlimmsten Brände seit Jahren. Die Löschzüge waren mit rund 70 Mann im Einsatz.

Hilfeschreie am Fenster

Als das erste Löschfahrzeug am Brandort eintraf, warteten viele Hausbewohner um Hilfe schreiend an den Fenstern. „Es waren mehr als 20 Personen, die in mehreren Etagen an den Fenstern standen“, sagte Schneider. Sofort wurde zweiter Alarm ausgelöst, und zusätzliche Kräfte der Feuerwehr, darunter etliche Rettungswagen und Spezialfahrzeuge, rückten an. Am Brandort holten Retter die Bewohner über Steck- und Drehleitern aus dem Gebäude. „Wir haben uns hier von Geschoss zu Geschoss durchgekämpft“, sagte Schneider.

Die Flammen waren schnell gelöscht. Feuerwehrleute unter Atemschutz konnten bis in die Dachgeschosswohnung vordringen. Dort machten sie dann die schreckliche Entdeckung. Die 33-jährige Mutter und ihre sechs und sieben Jahre alten Kinder lagen auf dem Boden ihrer Wohnung.

Auf dem Arm trugen die Feuerwehrleute die Kinder aus dem Haus und brachten sie zu den bereitstehenden Rettungswagen. Fast eine Stunde lang kämpften Notärzte und Rettungsassistenten um das Leben der Kinder und deren Mutter. Ohne Erfolg.