Irgendwann ist es für jeden so weit und der junge Mann lernt gleich, wie deutsche Bürokratie funktioniert.

Irgendwann ist es für jeden so weit: Wer als junger Mensch nicht mehr vom Taschengeld abhängig sein will, muss sich einen Job suchen, um eigenes Geld zu verdienen. Coronabedingt sind die freien Stellen deutlich rarer, aber der Chef eines Pizza-Lieferdienstes hatte Bedarf und meldete sich noch am Tag der Bewerbung zurück.

Und natürlich trat ein, was wir als Eltern bislang erfolgreich verhindern konnten – dass sich der Nachwuchs auf einem motorisierten Zweirad im gefährlichen Stadtverkehr fortbewegt. Nun muss der 18-Jährige jobbedingt Roller fahren. Es soll ja alles schnell gehen. Die Kunden möchten schließlich warme Pizza essen. Was soll man dagegen als Vater oder Mutter sagen?

Aber plötzlich gab es noch ein paar andere Formalitäten zu klären – etwa die Frage nach der Sozialversicherungsnummer. Nach wenigen Tagen lag Post von der Rentenversicherung im Briefkasten. Witzig – erst ein paar Stunden im Leben gearbeitet, aber schon ein Brief von der Rentenkasse. Es ging aber noch nicht um die sogenannte Kontenklärung, sondern das Schreiben enthielt nur die Sozialversicherungsnummer. „Prüfen Sie, ob das Geburtsdatum Teil der Sozialversicherungsnummer ist“, wurde der Empfänger aufgefordert. Tja, leider knapp daneben, die Nummer ist falsch, der Geburtsmonat stimmt nicht.

Der Anruf bei der Rentenkasse ergab: Der Empfänger möge den Brief samt einer Kopie seines Ausweises nach Berlin schicken. So kann man Arbeit auch abwälzen. Aber wenigstens lernt der junge Mann in seinem jungen Leben gleich mal, wie Bürokratie funktioniert. Vorher fährt er bei 32 Grad erst einmal Pizza aus. Immerhin hat er sich die Arme gut eingecremt. Ein wenig Einfluss kann man als Mutter ja noch nehmen.