Eimsbüttel

Restaurant Helo: Brasilien ist auch in Eimsbüttel

Frauensache:
Heloise
de Souza, Luana
Spennato und Isabel
Delfino (v. l.) geben
im Helo den Ton an

Frauensache: Heloise de Souza, Luana Spennato und Isabel Delfino (v. l.) geben im Helo den Ton an

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Hier geben drei Frauen den Ton an: Mutter, Tochter und Enkelin. Und sie servieren ein lustiges Dessert.

Eimsbüttel. Um a sete. Eins zu sieben. Das brasilianische Trauma. Am 8. Juli 2014 ging die Seleção bei der Fußball-WM im eigenen Land mit diesem Ergebnis gegen die deutsche Nationalmannschaft unter. Und da zeugt es von großem Humor, einen Nachtisch mit dieser Bezeichnung auf die Speisekarte zu setzen. Auswählen kann man diese süße Köstlichkeit im Helo Restaurant in Eimsbüttel.

Seit fünf Jahren gibt es das Lokal mit den großen Fenstern. Hier hat sich Heloise de Souza selbstständig gemacht. Vor mehr als 20 Jahren kam sie nach Deutschland. „Ich wollte reisen und nach ein paar Monaten eigentlich nach Hause zurückkehren“, erzählt die Brasilianerin. Aber sie blieb aus Liebe, bekam Tochter Luana und lebte in Meldorf.

Dithmarschen und Südamerika? Das passt nicht unbedingt zusammen. „Ich habe beim Sportverein TuRa Meldorf eine Sambaschule geleitet, hatte 85 Schülerinnen“, erzählt die heute 41-Jährige. „Wir hatten viele Auftritte, sogar in Hamburg. Das hat mich an manchen trüben Tagen am Leben gehalten.“

Sie wollte ihre Tochter unterstützen

2004 kam Heloise nach Hamburg, arbeitete in einem Steakhaus. Ihre Mutter Isabel Delfino verließ Brasilien ebenfalls Richtung Hansestadt, um Tochter und Enkelin zu unterstützen. „Ich habe zu Hause auch in der Gastronomie gearbeitet“, sagt die heute 65-Jährige, die erst in Hamburg Deutsch gelernt hat.

Und so trägt das Restaurant Helo heute die Handschrift der beiden Frauen. Mama backt oft am Wochenende buntes Brot mit Rote Bete, Möhren und Spinat. Sie hat den Fußball-Nachtisch erfunden: Auf einem grünen Tablett wird ein Spielfeld aufgezeichnet. Verschiedene Eis- und Mousse-Sorten, Kuchen, Pralinen, Crème Caramel, die Flaggen aus Kokosraspel, der brasilianische Torwart eine Physalis. Sehr witzig!

Isabel hat auch die Bilder im Lokal gemalt, die Tochter als Sambatänzerin, Gesichter, Szenen aus Brasilien und Hamburg. Die Einrichtung ist mit Holztischen und -stühlen in Braun gehalten, auf den Tischen stehen Blumen und Kerzen, die Lampen zeigen Dschungel-Motive. „Mein Bruder ist Innenarchitekt in Brasilien. Er kommt oft zu Besuch und hat uns geholfen“, sagt Heloise.

Vermischung von afrikanischer und lokaler Küche

Jeweils gut 50 Plätze stehen drinnen und draußen zur Verfügung, neben Mutter und Tochter gibt es weitere zehn Beschäftigte in Küche und Service. Auch Tochter Luana hilft mit, wenn sie in Hamburg ist. Zurzeit arbeitet die ausgebildete Fremdsprachensekretärin in Lissabon. „Irgendwann komme ich zurück“, sagt die 21-Jährige. „Ich bin doch ziemlich deutsch.“

Gleichwohl isst sie gerne brasilianische Gerichte. Zum Beispiel Moqueca, eines der Nationalgerichte Brasiliens. Dieser Eintopf ist ein typisches Beispiel für die Vermischung von afrikanischer und lokaler Küche. Auf den Tisch kommt Frango com ­cuscuz. Enthalten sind Zucchini, Zwiebeln, Petersilie und Cashewnüsse sowie Hähnchenfleisch. Gewürzt wird mit Curry und Urucum, einem indianischen Gewürz, das auch als natürliches Aphrodisiakum bekannt ist. Serviert wird die pikante und gut schmeckende Speise mit Couscous und frittierten Kochbananen.

Manchmal am Sonnabend kocht Isabel Spezial-Eintopf

Oder Fischfilet mit Cashewnuss-Bacon-Kruste. Saftiger Fisch, knuspriger Deckel. Dazu gibt es fein abgeschmecktes Maniok-Kokos-Püree und Mango.

Eine Spezialität von Mama Isabel ist Feijoada. Diesen schwarzen Bohneneintopf mit Schweinefleisch, Maniokmehl Farofa und weiteren zehn Zutaten kocht sie an ausgewählten Sonnabenden. 25 bis 30 Liter werden zubereitet, „dieses Gericht gibt es nur bei uns“, sagt Isabel.

Maniok und Kochbananen, Jack­fruit, Bohnen und Kokos, Reis und Fisch sind unverzichtbare Bestandteile der Küche aus dem südamerikanischen Land. „Wir haben mehr zu bieten als nur Fleisch am Spieß wie Rodizio“, so die Chefin. Obwohl natürlich auf ihrer Speisekarte auch saftige Steaks stehen und Picanha na Brasa, ein geschmackvolles Stück Rind mit kleinem Fettrand.

Beliebt ist das Restaurant bei den Nachbarn im Stadtteil und den in Hamburg lebenden Brasilianern, aber auch bei Japanern. „Die wollen immer Shrimps-Eintopf mit Reis essen.“

Viele Zutaten bezieht Heloise de Souza über Asia-Läden oder das Internet aus der alten Heimat, „wer aber nach Brasilien fliegt, muss für das Helo auch Urucum mitbringen“. Sie selbst reist selten über den Atlantik, „unser Leben findet hauptsächlich hier im Restaurant statt“. Ihr deutsch-spanischer Ehemann kommt abends zum Essen, Tochter Luana regelmäßig aus Portugal, und Mama Isabel verzichtet meist auf ihren freien Tag. Es könnte ja sein, dass jemand ihre Kreation Um a sete bestellt.

Helo Restaurant Stellinger Weg 51

www.helo-restaurant.de