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 Izakaya: Wo Japan nach Südamerika schmeckt

Rim Repko sitzt
im Patio vom
Restaurant Izakaya
vor dem Kamin

Rim Repko sitzt im Patio vom Restaurant Izakaya vor dem Kamin

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Im Restaurant Izakaya gibt es eine stilvolle Bar, ausgefallene Speisen zum Teilen und viele Leckereien zum Tee am Nachmittag.

Altstadt. Lass uns in die Kneipe gehen! In Hamburg meint man damit ein gemütlich-rustikales Lokal, wo Bier und Schnaps, Schmalzbrot oder Frikadellen auf sympathisch abgewohnte Tische kommen, wo Karten oder Kniffel gespielt werden und man so herrlich versacken kann. Auf Japanisch heißt Kneipe Izakaya. Wer allerdings das Restaurant dieses Namens in der Hansestadt besucht, betritt ein schickes Lokal, wo moderne japanische Küche mit südamerikanischen Einflüssen angeboten wird.

Ein paar Stufen hoch logiert das Izakaya im Hotel Sir Nikolai an der Katharinenstraße in der Altstadt. Aus großen Fenstern fällt der Blick auf das Nikolai­fleet hinter dem Haus und den Verkehr auf der Willy-Brandt-Straße. 130 Gäste finden Platz, entweder an der langen Bar, hinter der mehrere Hundert Schnapsflaschen stehen. Oder im mittleren Raum mit dem langen Tisch für kleine Gruppen. Oder an den Holztischen und der Theke vor der offenen Küche, wo man den Köchen bei der Arbeit zusehen kann.

Heimelig und schick

Besonders heimelig und schick ist der wie eine Bibliothek eingerichtete Raum namens Patio, wo bei gutem Wetter das Glasdach geöffnet wird. Die Tische sind kupferbeschichtet, die gepolsterten Sessel mit Samt bezogen. An der Wand finden sich kuschelige Sofaecken in Grün, den ganzen Tag lodert der gasbefeuerte verspiegelte Marmorkamin.

Das Lokal gehört zur niederländischen Entourage Group und war bei der Eröffnung im vergangenen Juni das erste dieser Art in Deutschland, nachdem es schon in Amsterdam zum kulinarischen Hotspot geworden war. Mittlerweile gibt es auch Filialen in München und auf der Balearen-Insel Ibiza.

„Ich arbeite lieber mit Gästen und Menschen“

Aus Amsterdam ist Rim Repko an die Elbe gekommen. Der General Manager des Hamburger Restaurants hat seine Karriere im Konzern gemacht. „Ich habe in Amsterdam Marketing studiert und nebenbei an der Bar vom Izakaya gearbeitet“, erzählt der 27-Jährige. Die Jobs wurden immer verantwortungsvoller, und Repko gab das Studium auf. „Ich arbeite lieber mit Gästen und Menschen.“ Seit September ist er jetzt in der Hansestadt, wohnt in St. Georg und legt den Weg zum Restaurant per StadtRad zurück. „Ich spare gerade auf ein gutes Fahrrad und ein stabiles Schloss.“ Und gemessen an holländischen Radwegen findet er die in Hamburg doch „verbesserungswürdig“.

Mit dem hiesigen Izakaya ist er schon ganz zufrieden. „Wir haben eine gute Resonanz, am Wochenende läuft ohne Reservierung nichts.“ Hotelgäste essen im Restaurant, Touristen kommen vorbei, aber auch immer mehr Hamburger finden den Weg, bestellen Ceviche von der Dorade mit Popcorn, Avocado und Grapefruitsaft, Sushi oder Spezialitäten vom japanischen Wagyu-Rind.

Im Izakaya wird Food Sharing empfohlen

Die Speisekarte ist auf Englisch verfasst, aber die Servicekräfte sind gern behilflich. Überhaupt setzt sich Repko auch schon mal für einen Augenblick mit an den Tisch, erklärt die angebotenen Speisen und was wann serviert wird. Denn im Izakaya wird Food Sharing empfohlen: „Die Gäste bestellen verschiedene Gerichte, alles kommt auf den Tisch und wird geteilt“, sagt Repko. Lohn für die lukullische Vielfalt: Der Restaurant-Führer „Gault&Millau“ zeichnete das Lokal im vergangenen November gleich mit 15 Punkten aus.

Sehr beliebt ist das Toro Tatar mit Kaviar, das im kunstvollen Iglu serviert wird. Toro bezeichnet Schnitte aus dem Bauchteil vom Blauflossen-Thunfisch. Wegen des hohen Fettgehalts und der feinen Maserung zergeht dieser Fisch auf der Zunge und ist wegen der Präsentation ein toller Hingucker.

Auf der Speisekarte werden immer wieder Gerichte hinzugefügt, und in jedem Izakaya gibt es individuelle Angebote. Zum Beispiel zu Ostern in Hamburg das Afternoon Tea Special mit bis zu 16 Köstlichkeiten, appetitlich angerichtet und serviert in vielen kleinen Portionen. Matcha Scones mit Clotted Cream und Waldbeermarmelade wetteifern mit Sesam-Karamell-Schokolade-Profiteroles um die Gunst der Gäste, aber auch das Schokolade-Pomponette (zartes Törtchen) mit „Himbeer Sake Explosion“ kann sich sehen lassen. Wer es lieber pikant mag, wählt kleine mit Pulled Pork belegte Brote, Mais-Tempura oder Räucherlachs mit Wasabi auf Sauerteig. Ein Mango-Kokosnuss-Shot wird zur Neu­tralisierung des Gaumens während der Teezeremonie gereicht, außerdem stehen elf handverlesene japanische Teesorten zur Wahl. Ein Augen- und Gaumenschmaus, der in Erinnerung bleibt.

Weinkarte listet rund 60 Positionen auf

Rund 40 Kräfte kümmern sich in Küche und Service um die Gäste, die Bar-Crew eingeschlossen. Bei den Drinks hat man sich auf japanischen Whiskey und natürlich Sake spezialisiert. „Aber es gibt auch jeden erdenklichen Cocktail“, sagt der General Manager. Die Weinkarte listet rund 60 Positionen auf, ein Glas gibt es ab 6,50 Euro, die günstigste Flasche kostet 32 Euro. „Wir wollen dem Gast einen schönen Abend bereiten und seine Wünsche erfüllen“, sagt Rim Repko. Natürlich wird so ein Zeitvertreib etwas teurer als in der normalen Kneipe mit Bier und Erdnüssen. Aber es muss auch mal die japanischen Momente im Leben geben.

Izakaya Asian Kitchen & Bar Katharinenstraße 29, Telefon 29 99 66 69

HVV bis Rödingsmarkt, Parken in der Umgebung

Vorspeisen ab 9 Euro, Hauptgerichte ab 18 , Desserts ab 9 Euro, Sieben-Gänge-Menü 85 Euro

www.izakaya-restaurant.com/hamburg